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Als Abschiedsgeschenk überreichte Sebastian Holzapfel (rechts) dem Bayern-Fan Christoph Herrmann das Trikot mit Nummer 10. Seine Führungsqualitäten zeigt der Münchner nun als Bundestrainer der Jungen.
Als Abschiedsgeschenk überreichte Sebastian Holzapfel (rechts) dem Bayern-Fan Christoph Herrmann das Trikot mit Nummer 10. Seine Führungsqualitäten zeigt der Münchner nun als Bundestrainer der Jungen.

Karrierewege

"Der Beruf ist vielschichtiger als je zuvor!"

Christoph Herrmann, Jahrgang 1967, ist seit 1. Januar 2018 neuer DGV Bundestrainer und verantwortet innerhalb des Golf Team Germany als hauptamtlicher Trainer den Bereich der Jungen. Erstmals in seinem Beruf als PGA Golfprofessional in Festanstellung, musste der gebürtige Münchner sein Amt als Vorsitzender des PGA Prüfungsausschusses aufgeben – aus zeitlichen Gründen. Im großen PGA Interview verrät Christoph Herrmann, weshalb er seinem Berufsverband dennoch aktiv erhalten bleibt, und welche Aufgaben ihn nun als Bundestrainer erwarten. Und weshalb der „Beruf des PGA Golfprofessionals heute vielschichtiger ist als jemals zuvor“.

von Matthias Lettenbichler - 9. März 2018 11:58

Herzlichen Glückwunsch, Christoph Herrmann, zur neuen Aufgabe als Golf-Bundestrainer. War es schon immer ihr berufliches Ziel, eines Tages eine solche Position zu übernehmen?

Zu Beginn meiner beruflichen Karriere als PGA Golfprofessional war das noch nicht mein Ziel. Nun bin ich aber schon über 25 Jahre lang Pro, und da hat es sich schon im Laufe der Zeit ergeben, dass die Position des Golf-Bundestrainers für mich zu einem beruflichen Ziel geworden ist – das durchaus. Ich hatte schon sehr früh mit Leistungsgolf zu tun und habe immer wieder in Clubs gearbeitet, deren Interesse in hohem Maße auch dem Leistungsgolf gilt. Dadurch hatte ich stets Kontakt mit den Verbandstrainern, wodurch für mich schrittweise der Wunsch entstanden ist, auch selbst noch eine Ebene weiter zu kommen und sich wirklich nur mit den allerstärksten Athletinnen und Athleten auseinandersetzen zu dürfen. Auch die Möglichkeit, selbst Einfluss auf Bereiche nehmen zu können, die ich aus Sicht des Vereinstrainers immer mal wieder kritisch hinterfragt habe, sehe ich als große Chance und Herausforderung. In den letzten fünf Jahren hat sich diese Idee konkretisiert und wurde immer mehr zu einem Wunsch.

Der deutsche Golf Verband hat sich aus einer Reihe von Bewerbern für Sie entschieden. Sie sind Master-Professional der PGA of Germany, waren viele Jahre lang Prüfungskoordinator der PGA of Germany und absolvieren aktuell auch den Diplom-Trainerlehrgang an der Sporthochschule in Köln. Haben alle diese Dinge bei der Auswahl des neuen Bundestrainers eine Rolle gespielt?

Als ich 50 geworden bin, habe ich mir überlegt, was ich in den 15 bis 20 Jahren, die ich mich in diesem Beruf noch sehe, machen möchte. Und weil ich weiterhin im Leistungsbereich Coach sein möchte, habe ich die Diplomtrainer-Ausbildung als weitere Chance gesehen, mich für den höchsten Leistungsbereich zu qualifizieren. Dass dies eine unmittelbare Eintrittskarte für das Amt des Bundestrainers war, glaube ich nicht, aber wenn man im Leistungsbereich arbeiten möchte, dann ist es mit Sicherheit eine Weiterqualifizierung. Mir ging es auch darum, auf hohem Niveau weiter selbst zu lernen. Gerade jetzt, wo ich als Trainer älter werde, möchte ich mich nicht darauf reduzieren, dass ich jetzt älter bin und viel Erfahrung habe. Ich möchte dokumentieren, dass ist älter bin und selbstverständlich weiterhin lerne.

Gleichwohl spielt Erfahrung natürlich eine nicht unerhebliche Rolle gerade für das Amt des Bundestrainers. Wie hilfreich sind für ihre neue Aufgabe die Kenntnisse, die sie in den letzten Jahren als Trainer im Leistungsgolf gemacht haben, als Coach von Deutschen Mannschafts-Meistern und Mannschafts-Meisterinnen oder von Team-Europameisterinnen? *

Ich glaube, dass solche Erfahrungen und Erlebnisse und ein solcher Background nicht nur sehr wertvoll, sondern sogar eine Voraussetzung sind, um solch eine Aufgabe zu übernehmen. Ohne so einen Background würde ich mir diese neue Aufgabe gar nicht zugetraut haben. Vor allem habe ich eine ganze Reihe der Nationalspieler bereits als Heimtrainer betreut. Dadurch hatte ich sehr viel Kontakt zu dieser Arbeitsebene und habe eine Vorstellung davon, was mich erwartet.

Als Bundestrainer sind Sie dem Herrenbereich zugeordnet – wie genau sehen dort nun ihre Aufgaben aus?

Tatsächlich haben wir uns dafür entschieden, dass ich den Jungen-Bereich betreue. Das hat den Vorteil, dass Uli Eckhardt, der weite Teile des aktuellen Herren-Kaders bereits betreut, diesen auch weiterhin verantwortet, und zwar unter anderem auch in Zusammenarbeit mit dem bisher hauptamtlichen Bundestrainer Trainer Uli Zilg, der als Co-Trainer mit an Bord bleibt. Beide können also dort in einem bewährten Team weiterarbeiten. Ich meinerseits werde mit einem neuen, selbstgewählten Team den Jungenbereich verantworten. Viele Mitglieder des Herren-Kaders sind auf Touren unterwegs oder spielen generell in den USA am College. Wenige sind in Deutschland. Das ist bei den Jungen anders. Die sind in Deutschland. Was es mir erlaubt, hier Lehrgänge zu gestalten und von Beginn an sehr strukturiert mit den Aktiven der U18 zu arbeiten.

Wen holen Sie hier noch als Co-Trainer an Bord?

Die Kollegen Roland Becker, Oliver Neumann und Sebastian Holzapfel werden mich als Co-Trainer auf Honorarbasis bei meiner Arbeit mit dem Jungen-Kader unterstützen.

Wie wird ihr Alltag konkret aussehen? Sitzen Sie viel am Schreibtisch und erstellen Konzepte, reisen sie von Club zu Club auf der Suche nach und zur Sichtung von Talenten, organisieren Sie alle sechs Wochen einen Lehrgang, bei dem die Kaderspieler zusammenkommen?

All das. Ja. Lehrgänge finden verstärkt im Winter oder vor Wettkämpfen statt. Das sind vor allem Wettbewerbe wie die Europameisterschaften oder die British Boys. Grundsätzlich haben wir ein Heimtrainer-Konzept. Das heißt: Die grundlegende Trainingsarbeit und Ausbildung findet durch die Heimtrainer statt. Diese werden von uns also nicht ersetzt, sondern ganz im Gegenteil unterstützen wir diese Heimtrainer so gut es geht mit unseren Möglichkeiten. Da geht es um Leistungssteuerung und Turnierplanung. Wir sehen die Spieler bei den Wettkämpfen und geben dem Heimtrainer, der im Normalfall nicht dabei sein kann, Feedback, damit dieser leistungssteuernd eingreifen kann. Teilweise haben wir als Bundestrainer auch den Vorteil, mit Analysegeräten oder Experten arbeiten zu können, was uns genauere Ergebnisse liefert als dies vielleicht im Club möglich ist. So haben wir zum Beispiel Zugriff auf die Einrichtungen der Olympiastützpunkte mit Geräten, die einem Club oder einem normalen Trainer schlichtweg nicht zur Verfügung stehen. Diese detaillierten Ergebnisse und Erkenntnisse teilen wir mit dem Heimtrainer und diskutieren gemeinsam geeignete Maßnahmen zur Trainingssteuerung. Damit können wir die Trainer zuhause sehr gut unterstützen.

In den Genuss dieser Unterstützung kommen die Mitglieder des Junior Team Germany und des National Team Germany. Inwiefern spielt für Ihre Arbeit die Idee Olympia eine Rolle?

Tatsächlich müssen wir als olympische Sportart viele strukturelle Dinge berücksichtigen die erst diese Zugehörigkeit zu Olympia mit sich bringt. Wir müssen DOSB-Vorschriften erfüllen und Kaderstrukturen an andere olympische Strukturen anpassen, was gar nicht so einfach ist. Aber auch das gehört zu meinem Aufgabenbereich als Bundestrainer. Grundsätzlich ist es sehr wichtig, dass Golf olympische Sportarbeit bleibt. Nicht nur in Tokio, sondern auch langfristig. Aktuell gehen wir davon aus, dass Golf olympisch bleibt. In unsrer Alltagsarbeit ist Olympia ein sehr willkommenes Vehikel, aber wir sind uns klar darüber, dass der Golf-Alltag unserer Professionals noch sehr wenig olympisch determiniert ist. Der Golfsport hat die traditionellen Turniere auf den Touren, es gibt die Majors und beispielsweise den Ryder Cup – Veranstaltungen, die im Golf einen sehr hohen Stellenwert haben. Gleichwohl ist Olympia für uns von enormer Bedeutung, weil es die Option bietet, den Sport in eine breite Wahrnehmung hineinzusteuern. Im Reigen der olympischen Wettbewerbe werden Menschen in einer unglaublichen Breite auf den Golfsport aufmerksam. Unser Sport ist damit in einem sehr ernsthaften Kontext verankert. Nur dadurch haben wir zum Beispiel Kontakt zu den Olympiastützpunkten und können deren exzellente Einrichtungen nutzen. Gleichzeitig beschäftigt sich nun auch die Sportwissenschaft verstärkt mit Golf. All das bringt sehr viele unschätzbar wertvolle Vorteile und hebt uns auf ein neues, besseres Level. Dass Golf olympisch ist, erscheint mir für den Sport an sich vielleicht sogar wichtiger als für den einzelnen Spieler, für den es neben den traditionellen Turnieren nur ein weiteres wichtiges sportliches Highlight ist. Aber für den Golfsport selbst ist diese olympische Bühne ungemein vielschichtig und von enormer Bedeutung. Vergleichbar ist das vielleicht mit Tennis: Auch dort gibt es eine Tour, und die Diskussion, ob ein Sieg in Wimbledon wichtiger oder olympisches Gold. Die Spieler selbst nehmen Olympia üblicherweise als absolut herausragendes Highlight wahr, sie geben extrem positives Feedback, sind alle wahnsinnig beeindruckt, auch durch die Gemeinschaft mit anderen Sportarten.

Wie groß ist der Respekt vor der vielschichtigen Aufgabe als Bundestrainer?

Ich sehe mich in meinem Wirken vor allem auf nationaler Ebene, da ich mich zum einen in meiner Sprache am wohlsten fühle und das Gefühl habe, hier die Dinge am besten transportieren zu können, die mir am Herzen liegen. Insofern freue ich mich sehr, jetzt auf dieser höchsten nationalen Ebene angekommen zu sein. Vor der Aufgabe selbst habe ich sehr hohen Respekt! Wir begleiten die Menschen, die uns anvertraut sind, auf einem sehr wichtigen Stück ihres Lebens, in einer Phase, in der ganz entscheidende Weichenstellungen erfolgen. Da geht es um die Berufswahl und den eventuellen späteren Erfolg im Profibusiness. Das ist sehr viel Verantwortung. Ich kennen kein höheres Gremium als das, dem ich nun angehörige, das den Golfsport in Deutschland beeinflussen kann. Ich freue mich riesig, nun ein Teil dieses Gremiums zu sein. Ich habe keine Sorge, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, denn das ist meine Heimat, das ist, was ich immer getan habe – nur an anderer Stelle. Aber Respekt habe ich, ja, das trifft es sehr gut.

Wie genau erfolgte die Bewerbung für den Posten des DGV-Bundestrainers? Kam der Verband auf Sie zu?

So etwas entsteht und wächst. Ich war in den letzten zehn Jahren immer, und in den letzten fünf Jahren noch einmal verstärkt, mit den entscheidenden Gremien und Personen beim Deutschen Golf Verband im Kontakt. An erster Stelle natürlich mit Marcus Neumann, dem DGV Sport-Vorstand, der ja auch PGA Golfprofessional ist, und natürlich auch mit den weiteren Kollegen im Verband. Es gab da immer einen guten Austausch. Als sich dann konkretisierte, dass der DGV einen neuen Bundestrainer sucht, gab es eine ganz normale Stellenausschreibung, auf die ich mich beworben habe. Dass ich mich bewerben würde, wenn es eines Tages eine Ausschreibung gibt, das war bekannt. Aber es gab keinerlei Vorbesprechung oder anderes. Es gab dann in der Folge zwei Bewerbungsgespräche, zunächst offenbar für einen größeren Bewerberkreis, später dann wurde es etwas konkreter – und irgendwann im August kam dann die telefonische Zusage von Marcus Neumann.

Müssen Sie Ihren Wohnsitz nun auch nach Wiesbaden, zum Sitz des Verbandes verlegen?

Aktuell ist das nicht geplant und auch nicht nötig. Natürlich werde ich immer wieder in Wiesbaden sein, aber nicht in der Form, dass ich dort jeden Tag in ein Büro gehe. Ich werde auch Zeit im Bundesleistungszentrum in St. Leon-Rot verbringen, aber auch dort werde ich nicht jeden Tag sein. Vielmehr werde ich viel in ganz Deutschland unterwegs sein, dort, wo unsere Spieler mit ihren Heimtrainern arbeiten. Ich schlafe ohnehin rund 250 Nächte im Jahr in einem Hotel, insofern bleibt mein Wohnsitz im Münsterland, in Nottuln, der Heimat meiner Frau.

Ihre neue Aufgabe hat auch zur Folge, dass Sie Ihr Engagement für die PGA of Germany reduzieren müssen. So geben Sie zum Beispiel nach 18 Jahren ihr Amt als Vorsitzender des Prüfungsausschusses der PGA of Germany an Ihren Kollegen Sebastian Holzapfel ab. Bedauern Sie dies, und werden Sie überhaupt noch die Zeit und die Möglichkeit haben, auch für Ihren Berufsverband weiter tätig zu sein, den Sie ja viele Jahre lang mitgeprägt haben?

Tatsächlich bedauere ich es, nicht mehr in dieser Weise für die PGA of Germany zur Verfügung stehen zu können. Denn was die Konstanz angeht, war das ganz bestimmt der erfüllendste Teil meiner Arbeit. Ich habe es immer geliebt, etwas für den Verband zu machen, sei es Ausbildung oder Prüfung – das war immer eine feste Säule meiner Tätigkeit. Insbesondere hat mich der Austausch mit den in den PGA-Gremien tätigen engagiertesten und kompetentesten Kollegen zu dem gemacht, was ich bin. Auf diese Weise war ich immer Up-to-date, und diesen regelmäßigen Austausch werde ich vermissen. Viele der Kollegen aus dem Prüfungsausschuss sind auch mittlerweile meine Freunde. Da ist schon eine gewisse Wehmut dabei – keine Frage! Ich werde aber weiterhin dem Ausbildungs- und dem Prüfungsausschuss der PGA of Germany angehören, nicht in einer leitenden Funktion, aber als Mitglied dieser Ausschüsse. Auch der Deutsche Golf Verband begrüßt dies ausdrücklich, da auf diese Weise die enge Verbindung zur PGA of Germany nicht nur erhalten sondern sogar ausgebaut und gestärkt wird. Es ist auch mitnichten so, dass ich durch mein Amt als Bundestrainer nun vom PGAler zum DGVler werde. Ich habe mich vorher niemals als Abhängiger meines Berufsverbands gefühlt, sondern immer als engagierter PGA Professional, der sich gerne in seinen Verband eingebracht hat, und der werde ich auch bleiben. Und schon bevor ich meine neue Aufgabe übernommen habe, habe ich die Arbeit des DGV sehr bewusst wahrgenommen und auch teilweise schon Schnittstellen zwischen beiden Verbänden besetzt. Und das werde ich auch weiterhin tun. Dem Berufsverband der Professionals werde ich weiterhin massiv verbunden bleiben, gerade auch weil es hier viele Verzahnungen mit dem Sport- und Leistungsbereich des Deutschen Golf Verbands gibt. Und ich sehe es als meine Aufgabe, diese Verzahnungen weiter zu stärken und nach vorne zu bringen! Der Golfsport ist kein Selbstläufer. Er braucht Anschub, und da sind beide Verbände gefordert. Beiden möchte ich weiterhin Impulse geben.

Sie werden zum ersten Mal, seit Sie Golfprofessional sind, Angestellter sein. Ist das eine große Umstellung für Sie?

Ich werde in der Tat das erste Mal in meinem Berufsleben angestellt sein und nicht mehr rein freiberuflich arbeiten. Das kenne ich bisher nicht. Da galt es zunächst mal, einige Formalitäten zu klären. An sich aber denke ich, dass sich wenig ändern wird. Als Coach ist man ja in gewisser Weise immer auch vom Erfolg abhängig. Da ähnelt eine Aufgabe als Bundestrainer vielleicht doch auch wieder sehr einem freiberuflichen Engagement, denn als Selbständiger ist man dem Erfolg ebenfalls verpflichtet. Ich denke ohnehin: Weder hat man als Freiberufler so viel Freiheit, wie es klingt, noch droht einem Angestellten so viel Gefangenschaft, wie man befürchtet. Jedenfalls habe ich total Bock auf die Aufgabe und bin hochmotiviert!

Welches waren die Highlights ihres bisherigen Berufslebens?

Die Arbeit für die PGA of Germany war immer die Grundlage von allem, was ich gemacht habe. Ansonsten bin ich natürlich in erster Linie mal Sportler, und insofern fallen mir bei dieser Frage die Bilder des Erfolgs ein. Das genießt man natürlich, wenn die Arbeit zum Erfolg führt. Zugleich weiß jeder Trainer, dass die Arbeit gerade in den weniger erfolgreichen Phasen viel stärker zu bewerten ist als in Zeiten des Sonnenscheins. Aber ganz klar: Meine Zeit in St. Leon-Rot war tatsächlich sehr erfolgreich. Wobei ich mir vollkommen dessen bewusst bin, dass diese Ergebnisse möglich waren, weil mir dort eine Mannschaft zur Verfügung stand, die in meinen Augen unschlagbar war. Die Spielerinnen haben nationale und internationale Titel gewonnen, fast alle sind später Profis geworden. Die gesamte WM-Mannschaft gehörte dem Club an, bei der Deutschen Meisterschaft waren die Top 3 aus meinem Team. Das war phantastisch und toll. Und dennoch ist natürlich das, was man selbst als Trainer dazu beiträgt, nicht zu bemessen. Deshalb ist es dann auch in der Einordnung schwer: Ob ich dort wirklich meine beste Arbeit gemacht habe, das weiß ich gar nicht. Womöglich wäre ein anderer Trainer mit dieser Mannschaft ebenso erfolgreich gewesen. Vielleicht jeder andere … . Was ich damit sagen will: Erfolg zu haben und Titel zu sammeln, ist großartig. Aber es kann genauso befriedigend sein, mit einer Mannschaft den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen oder mit einem Spieler, den man wirklich lange Zeit und intensiv begleitet, kleine Erfolge zu haben. Ann-Kathrin Lindner zum Beispiel habe ich als ganz normale Clubspielerin kennengelernt und trainieren dürfen, und sie dann begleitet, bis sie auf der Ladies European Tour gewonnen hat. Sie war ein normales Mädchen im Burgdorfer Golf Club, und ich habe dann mit ihr arbeiten dürfen, sie in St. Leon-Rot integriert, in die Nationalmannschaft geführt, schließlich ins Profilager und zum Toursieg. Das hat mich schon sehr gefreut.

Karrierewege spielen heute in allen Berufen eine große Rolle, das gilt gleichermaßen für den Beruf des PGA Golfprofessionals. Als Bundestrainer haben Sie auf der Karriereleiter des Golftrainers eine sehr hohe, wenn nicht die höchste Stufe überhaupt erreicht, die dieser Beruf anbietet. Was muss ein junger Mensch mitbringen, um als Golflehrer, Trainer und Coach Erfolg zu haben?

Dieser Beruf ist heute vielschichtiger als jemals zuvor. Und genau das zu realisieren, halte ich für enorm wichtig. Es wäre völlig falsch, die Ausbildung zum PGA Golflehrer mit dem eingeschränkten Blickwinkel anzugehen, dass man dann eben Golflehrer wird. Golflehrer auf einer Driving Range, der Schnupperkurse gibt, Leute in den Sport einführt, dann machen die Platzreife, werden Clubmitglied und ich unterrichte sie weiter. Dann habe ich noch eine Clubmannschaft und ein Jugendteam … . Bitte nicht falsch verstehen: Das kann eine sehr schöne und erfüllende Aufgabe sein, und das ist ein sehr legitimes Ziel für jemanden, der diese Ausbildung absolviert. Aber es ist ganz wichtig, dass derjenige, der sich für die Ausbildung zum Fully Qualified PGA Golfprofessional entscheidet, sich im Klaren darüber ist, dass dieses Berufsbild heute ein viel breiteres Aufgabenspektrum erschließt, als das in früheren Zeiten der Fall war. Wir haben heute enorme Entfaltungsmöglichkeiten, bis hin zum akademischen Master an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ganz gleich ob akademische Laufbahn, Aufgaben in der Industrie, in der Forschung: Die Ausbildung zum PGA Golfprofessional öffnet viele Türen im Golfmarkt, und sogar darüber hinaus. Was aber in jedem Fall wichtig ist, ganz gleich, wohin der Weg führt, ist die unbedingte Begeisterung und Leidenschaft für diesen Sport.

Ist es wichtig, Golf wirklich von ganzem Herzen zu leben?

Ja. Und wer das mit Begeisterung macht, dem eröffnen sich fast grenzenlose Möglichkeiten. Mein eigener Weg war der in den Leistungssport, der auch ganz weit entfernt ist von Schnuppergolf und normalen Golfkursen, was ich aber natürlich auch viele Jahre lang gemacht habe. Insgesamt aber wird die Vielschichtigkeit dieses Berufes noch viel zu wenig wahrgenommen. Sowohl von denen, die diesen Beruf ergreifen, als auch sicherlich von einigen, die diesen Beruf nicht ergreifen, weil sie die damit verbundenen Möglichkeiten nicht erkennen. Wer sich für eine Laufbahn als Golfprofessional interessiert, der hat mit der PGA of Germany natürlich die erste wichtige Anlaufstation und Info-Adresse. Aber ich würde jedem dringend raten, sich mit Menschen zu unterhalten, die diesen Beruf ausüben. Sie zu ihrer Motivation, zu ihrem Alltag, zu den Zielen zu befragen. Wir brauchen weiterhin gute Professionals. Die Zahl der Auszubildenden geht zurück, und ich glaube, ein Grund dafür ist auch, dass den Menschen die tollen Perspektiven dieses Berufes nicht klar sind.

Die Aufgabe des Bundestrainers gehört sicher zu den attraktivsten Stationen einer Trainerlaufbahn. Wie kommt man bis zu einer solchen Position?

Wer etwas in diesem Metier erreichen will, muss arbeiten. Diese Arbeit darf einen aber nicht viel Kraft kosten. Ich habe meinen Beruf definitiv nie als wirklich „arbeiten“ wahrgenommen, sondern eher als Aufgabe, die eben bewältigt werden muss. Als spannende Aufgabe! Dieser Beruf bringt außergewöhnlich Arbeitszeiten mit sich, je nach dem auch viel Reisetätigkeit. Je nach Aufgabe oder Amt übernachtet man mehr in Hotels als zuhause. Aber wer dem Beruf des PGA Golfprofessionals mit echter Leidenschaft nachgeht, der wird das nicht als belastend empfinden. Der wird sehr glücklich werden in einem Traumjob, denn das ist dieser Beruf ohne Frage. Und der wird auch Karriere machen in diesem Beruf.

Sie übergeben den PGA Prüfungsausschuss in die Hände von Sebastian Holzapfel, der das Gremium seit Jahresbeginn leitet. Eine gute Wahl?

Es freut mich sehr, dass Sebastian hier mein Nachfolger ist, und ich weiß, dass dieses Amt damit in sehr guten Händen liegt. Sebastian war mein Auszubildender im GC Berlin-Wannsee, wir kennen uns sehr gut durch die gemeinsame Arbeit der letzten Jahre im Lehrteam der PGA of Germany und auch im Prüfungsausschuss, und wir sind natürlich auch weiterhin in engem Kontakt. Dass der Verband ihn nun mit dieser Aufgabe betraut, ist ein gewisses Best-Practice-Modell einer Karriere als PGA Golfprofessional. Und wohlgemerkt: Dass Sebastian mein Nachfolger wird, war nicht meine Entscheidung, sondern eine Entscheidung des Verbandes. Sebastian hat im letzten Herbst das Master-Studium Golf an der Deutschen Sporthochschule Köln abgeschlossen und sich unter anderem natürlich auch dadurch für diese Aufgabe qualifiziert. Als er das Studium vor drei Jahren begonnen hat, eine sehr zeitaufwändige und anspruchsvolle universitäre Ausbildung, war es nicht sein Ziel, die Leistung des Prüfungsausschusses zu übernehmen, aber das ist eben eine solche Tür, die sich auch dadurch für ihn aufgetan hat. Zum einen weil er seine eigenen Kompetenzen in hohem Maße erweitert hat. Zum anderen ist natürlich auch der Markt auf ihn aufmerksam geworden. Zeitgleich hat ihm auch der Golfclub St. Leon-Rot das Angebot gemacht, dort im Leistungsbereich tätig zu sein. Auch dieser Job wird einem nicht ohne weiteres offeriert. All das zeigt, dass solche persönlichen Entwicklungen, die durch und mit der PGA of Germany möglich sind, im Markt sehr wohl wahrgenommen werden.

Christoph Herrmann, geboren am 30. Juli 1967 in München, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Teenager-Alter. Er wohnt mit seiner Familie in Nottuln in Nordrhein-Westfalen.

Das Interview führte Matthias Lettenbichler

 

*Christoph Herrmann führte seit 1999 verschiedene Mädchen-, Damen- und Herren-Teams zum Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft. 2011 wurde er als Cheftrainer der Damen des GC St. Leon-Rot Club-Europameister.

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