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GMVD / PGA Forum 2017

„Fachkräfte sind Mangelware!“

Zur Eröffnung der Golfsaison 2017 mit Diskussion und Meinungsaustausch trafen sich Mitglieder des Golf Management Verband Deutschland (GMVD) und der Professional Golfers Association (PGA) of Germany in Stuttgart. Im Rahmen der Messe Golf- & WellnessReisen erörterten Experten beim zweiten gemeinsamen Forum von GMVD und PGA „Wege zum wirtschaftlichen Erfolg“. Fazit der Veranstaltung, zu der GMVD-Geschäftsführer Andreas Dorsch 25 Teilnehmer begrüßte: Es gibt diese Wege, doch von allen Beteiligten ist intensive Zusammenarbeit und von jedem Einzelnen mehr weitsichtige Initiative gefragt denn je.

von Matthias Lettenbichler - 10. Februar 2017 08:56

Denn, so stellte Jonathan Taylor, Golflehrer und Inhaber der The Move Golfacademy der Golfanlage Harthausen fest: „Unser Berufszweig ist heute nicht mehr in einem so durchweg positiven Licht dargestellt, wie das schon mal der Fall war. Früher, da war man der tolle Hecht auf der Golfanlage, doch heute müssen die Clubs und die Betreiber mithelfen, die Position des Golflehrers positiv darzustellen und zu stärken. Im Sinne aller Beteiligten!“ Noch immer, so Taylor, sei PGA Golfprofessional eine Profession, die Spaß mache und auch – hohes Engagement von Golfschule und Golfanlage vorausgesetzt – gute bis sehr gute  Verdienstmöglichkeiten eröffne. Doch das gelte es auf allen Ebenen zu kommunizieren! Ein gut beschäftigter PGA Golfprofessional mit vom Unterricht begeisterten Mitgliedern sorge schließlich gleichzeitig auch für Mehreinnahmen beim Club. Sei es in der Gastronomie oder durch die vermehrte Spielfreude und intensive Turnierteilnahmen der Clubmitglieder und ihrer Gäste. Taylor: „Wir müssen uns einer Sache immer bewusst sein: Die Leute verbringen im Club ihre Freizeit. Sie wollen Freude erleben und Spaß haben. Und das funktioniert nur, wenn sich der Club mit allen Beteiligten als echtes Team präsentiert.“ 

Dass der Weg zu wirtschaftlichem Erfolg vor allem nur gemeinsam mit positiver Perspektive beschritten werden kann, wenn alle Beteiligten am Produkt Golfanlage an einem Strang ziehen, darin waren sich die Fachleute auf dem Podium einig. Nur wenn Clubmanagement, Golfschule, Restaurant, Greenkeeping und Sekretariat als Einheit auftreten und sowohl gut kommunizieren als auch harmonieren, stellt sich auf allen Ebenen und in allen Wirtschaftszweigen langfristiger Erfolg ein. Marc-Frederik Elsäßer, Geschäftsführer der Golfplatz Schönbuch GmbH & Co. KG, hat in seinem Betrieb beispielsweise die Gastronomie gleichermaßen als entscheidenden Faktor und „große Herausforderung“ ausgemacht. „Das ist ein beinhartes Tagesgeschäft“, weiß der Clubchef, und deshalb erhalte dieser Teil des Geschäftszweiges in Schönbuch großzügige Unterstützung unter anderem bei notwendigen Investitionen. „Nur weil unsere Gastronomie inzwischen sehr gut funktioniert, bekommen wir vermehrt Greenfee-Gruppen.“ Einer der Schlüssel zum Erfolg in der Gastro sei ein zwar in der Vielfalt bewusst beschränktes, dafür aber qualitativ hochwertiges Angebot an Speisen und Getränken. Selbstverständlich serviert von stets freundlichem und kompetentem Personal.

Dass vor allem gutes Personal über Wohl und Wehe einer Golfanlage entscheidet, diese Erfahrung hat Marion Bonn gemacht, PGA Golfprofessional und ebenso GMVD-Clubmanagerin. „Für den Golflehrer geht es darum, den Schüler zu fesseln und zu fangen!“ Davon profitiere der gesamte Club. Marc-Frederik Elsäßer ergänzte: „Die Menschen, die bei uns arbeiten, müssen die Leute an die Anlage binden und für Golf begeistern. Diese Talente brauchen wir. Wenn jemand das kann, dann ist mir seine Ausbildung eigentlich fast egal!“ Denn, so Elsäßer: Wer die von ihm geforderte Grundbegabung für einen bestimmten Bereich mitbringt, den bildet er, sollten Kenntnisse fehlen, kurzerhand selbst aus in seinem Club. Und zwar an der Stelle, für die diese Person das größte Talent besitzt: „Die Aufgaben der Leute in unserem Club sind ausschließlich an ihren Stärken orientiert“, so der Schonbuch-Manager. Sein Stolz: „Wir hatten 2016 keinen einzigen Krankheitstag!“

Dass die Ausbildung „fast egal“ sei, solange die Menschen fürs Golf begeistert würden, dieser Auffassung widersprach allerdings vehement Kariem Baraka, PGA Golfprofessional und Geschäftsführer des bayerischen GC Riedhof. „Der Golflehrer muss zu Beginn für seinen Schüler zweifellos auch Animateurs-Qualitäten haben. Doch selbstverständlich muss er auch kompetent und fachlich absolut versiert vermitteln können, wie die Leute im Golf besser werden.“ Gerade diese Fähigkeit erhalte mit fortschreitendem Können der Schülerinnen und Schüler immer größere Bedeutung. Denn nur wer beim Golf auch sportliche Erfolge feiern und eine Verbesserung der eigenen Leistung feststellen könne, bleibe diesem Hobby treu. Baraka: „Gerade deshalb ist an dieser Position eine sehr solide Ausbildung als PGA Golfprofessional enorm wichtig!“

Dieses hochqualifizierte Personal zu finden, das die geforderten Eigenschaften vereint, ebenso Unterhalter ist wie kompetenter Lehrer, das die Aufgabe im Club – ganz gleich an welcher Stelle – mit Engagement und Leidenschaft betreibt, das sehen alle Beteiligten als große Herausforderung. „Fachkräfte sind Mangelware. Wir suchen Auszubildende und finden oftmals keine“, so David Hausner, Leiter des Golfbetriebs im New Golf-Club Neu-Ulm. Nach seiner Überzeugung müssen „Golflehrer und Golfmanager den gleichen Hut aufhaben“, um langfristig gemeinsam auch wirtschaftlichen Erfolg zu garantieren. Sein Projekt für 2017: Vor allem jugendliche Mitglieder so zu begeistern, das sie bleiben: „Wir tun uns schwer damit, die Jugendlichen zu halten.“

Während PGA Golfprofessional Andy Kirchner die Gründe für teilweise schlechte Auslastung und sinkende Einnahmen auf Seiten des Golflehrers auch darin sieht, dass „inzwischen zu viele Golflehrer ausgebildet werden“, widersprachen das Podium hier vehement: Der Markt brauche weitere Fachkräfte auch gerade unter den PGA Golfprofessionals, so David Hausner. Und Felix Lechner, Leiter Marketing der PGA of Germany erklärte: „Von den aktuell rund 1900 Mitgliedern der PGA of Germany sind nur rund 1200 als Golflehrer aktiv. Viele gehören dem Verband nur noch an, unterrichten aber aus Altersgründen nicht mehr oder weil sie ins Management oder in die Golfindustrie gewechselt haben.“ Die aktuell 1200 aktiven Teacher könnten allein die Nachfrage kaum decken. „Wir haben immer noch mehr offene Stellen für Golflehrer in Deutschland als Golflehrer ohne Beschäftigung.“ Und auch in diesem Segment gelte: Nur Qualität führe langfristig zum Erfolg.

Dass zuweilen dennoch Mitglieder ausbleiben oder den Club verlassen, hat nach Ansicht der Forumsteilnehmer vielfältige Gründe. Für alle Anlagen gehe es darum, eine Willkommenskultur zu entwickeln, wozu Mitglieder ebenso beitragen müssen wie die Clubs und Betreibergesellschaften, die Golfschulen, selbständige Golflehrer und die Gastronomie. Gemeinsame Aktionen und die Nutzung der Stärken der jeweiligen Abteilung seien hier nur von Vorteil. Elsäßer zum Beispiel übernimmt in seinem Club die Gestaltung von Werbeflyern oder anderem Marketing- und PR-Material mit seinen Fachkräften im Büro – auch für die Golfschule. Es mache keinen Sinn, dass hier jeder sein eigenes Süppchen koche. Auch Aktionen wie ein Tag der offenen Tür versprechen nach Ansicht der Experten vor allem dann durchschlagenden Erfolg, wenn sie gemeinsam geplant, vorbereitet und durchgeführt werden. Das stärke auch das Gemeinschaftsgefühl für alle an der Golfanlage Beteiligten.    

Ebenso, wie es gilt, positive Erlebnisse zu schaffen, ist es wichtig, Störfaktoren zu beseitigen. So verstellen zum Beispiel auch ständig meckernde Clubmitglieder den Weg zum Erfolg. Sie schaffen schlechte Stimmung, verwehren auch anderen den Blick auf das Positive und können für eine ganze Golfanlage zum Problem werden. „Man kann es nicht jedem Recht machen“, da waren sich die Forumsteilnehmer einig. Im Zweifel, so Marc-Frederik Elsäßer, solle man als Club auch mal den Mut haben, sich von solchen Querulanten zu trennen. „Mit so einem Schritt haben wir durchaus auch schon gute Erfahrungen gemacht“, bestätigt David Hausner.

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