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"Er kann alles, hat derzeit keine echte Schwäche", sagt Bundestrainer Ullrich Eckhardt über Max Schmitt. Foto: Stefan Heigl
"Er kann alles, hat keine echte Schwäche", sagt Bundestrainer Ullrich Eckhardt über Max Schmitt. Foto: sh

Castanea Resort Championship 2017

Max Schmitt auf dem Weg zum dritten Sieg

Mit einer starken 68er-Runde am zweiten Tag der Castanea Resort Championship in Adendorf hat Max Schmitt beim Final-Turnier der Pro Golf Tour 2017 die alleinige Führung übernommen. 12 Schläge unter Par nach zwei Durchgängen (64+68) sichern dem DGV-Spitzenamateur, Spieler des Golf Team Germany und zweifachen Pro-Golf-Tour-Saisonsieger, einen Vorsprung von vier Zählern auf Professional Jonas Kölbing (64+72/-8).

von Matthias Lettenbichler - 26. September 2017 18:24

Adendorf – Wer soll ihn schlagen? Zuweilen gewinnen Amateure bei Profiturnieren, und die Professionals ärgert das natürlich ein bisschen, weil ihnen da jemand eine Trophäe und einen Titel wegschnappt, der eben mal eine außergewöhnlich gute Woche erwischt hat, aber im Normalfall nicht mehr. Da hat ein paar Tage hintereinander alles problemlos funktioniert, der Proband konnte im Kreise der Berufsspieler völlig ohne Druck frei aufspielen, ohne die Notwendigkeit und die damit verbundene psychische Belastung, mit Preisgeld Reisekosten oder Ausgaben für den Lebensunterhalt bestreiten zu müssen. Seit auf der Pro Golf Tour Ranglistenpunkte und Gewinnbörse getrennt sind und sich damit auch Amateure am Saisonende für einen der gewöhnlich fünf Aufstiegsplätze zur European Challenge Tour qualifizieren können, ist es für die Profis noch ein wenig bedeutender, wenn sie die begehrten Punkte an jemanden abgeben müssen, der nur mal eben eine einzige gute Woche erwischt hat, dessen Name aber ansonsten nirgendwo in den lesbaren Regionen des Rankings auftaucht. Dann erhält der beste Profi zwar das Preisgeld, doch die für die Qualifikation für die nächsthöhere Liga so wichtigen und entsprechend begehrten Punkte sind futsch. Eine Tour wie die Pro Grolf Tour, eine von vier Satellite-Ligen in Europa, ist aber nun mal nicht in erster Linie dafür gedacht, dort sein Auskommen zu finden, sondern als Möglichkeit des sportlichen Kräftemessens und des Zugangs zu den höheren Ligen, zu Challenge Tour und European Tour, wo für die Akteure überhaupt erst die Aussicht besteht, dass eines Tages die Einnahmen die Ausgaben überschreiten.

Bei Max Schmitt ist das anders. Da ärgert sich keiner darüber, dass ein Amateur Sieg und Ehre und Zähler für sich verbucht. Zweimal schon ist das in dieser Saison der Pro Golf Tour passiert, im März bei der Open Golf Anfa Mohammedia in Marokko und vor wenigen Wochen bei der Starnberg Open in Bayern. Doch wenn die Kollegen über das Spiel von Max Schmitt und seine Titel sprechen, dann tun sie das mit großem Respekt. Denn dass dessen Leistungen hochkonstant sind und er an einem guten Tag kaum zu schlagen ist, haben sie mehrfach beobachten können. Dann spielt der Andernacher völlig unbeeindruckt vorneweg, fast schon in einer eigenen Liga. In Marokko hatte er am Ende fünf Schläge Vorsprung, in Starnberg war es einer nach einer fehlerfreien Finalrunde.

Keine wirklichen Schwächen

Wer dreimal in einer Saison auf der Pro Golf Tour gewinnt, der darf direkt bei den Turnieren der Challenge Tour an den Abschlag gehen. Nicolai von Dellingshausen ist das in diesem Jahr schon gelungen. In Adendorf, wo in dieser Woche das Finale der Pro Golf Tour 2017 ausgespielt wird, steht Max Schmitt nun ebenfalls vor seinem dritten Saisonerfolg. Nach zwei Durchgängen auf dem exzellent präparierten Parcours des Castanea Golf Resort hat er vier Schläge Vorsprung vor dem aktuell Zweitplatzierten, dem Tutzinger Jonas Kölbing. Und vier Schläge, da ist sich Bundestrainer Ullrich Eckhardt, der Max Schmitt am Dienstag bei seiner 68er-Runde begleitete, sehr sicher, die wird sich sein Musterschüler nicht mehr nehmen lassen. "Max wird in jedem Fall unter Par spielen, da wird es für die Konkurrenten schon sehr schwer, ihn noch abzufangen", ist Eckhardt überzeugt. "Es würde mich wundern, wenn er das nicht nach Hause bringt." Denn daran besteht für Eckhardt kein Zweifel: "Er ist so weit. Er bringt alles mit, sein Spiel ist derzeit sehr komplett, er hat keine wirklich ausgeprägten Schwächen." Der Wechsel ins Profilager käme keinen Moment zu früh.

Es ist vor allem die Art und Weise, wie Max Schmitt seine Bahnen in Adendorf absolviert, die beeindruckt. Er scheint einfach draufloszuspielen, völlig mühelos. Unangestrengt. Sicher. Er muss nicht nachdenken über das, was er tut. Er macht es instinktiv, und er macht es richtig. Da notiert er am ersten Tag eine fehlerfreie 64er-Runde, und es ist noch viel Luft. Da spielt er am zweiten Tag auf 13 Löchern nur ein Birdie und "schläft fast ein" (Eckhardt), kassiert an seinem 14. Loch ein Bogey und damit den ultimativen Weckruf, der ihn die Runde mit Eagle, Birdie, Birdie und einem ausgelippten Birdie-Putt an seinem für diesen Tag letzten Grün beenden lässt.

Kein Probeschwung

Wenn Max Schmitt zum Ball geht, dann verschwendet er keine Zeit. Kein Probeschwung. Nicht beim Abschlag, nicht auf dem Fairway, nicht auf dem Grün. Auf der PGA Tour hat Wesley Brian letzte Woche seine Finalrunde der BMW Championship in 89 Minuten absolviert. Mit 69 Schlägen. Vermutlich könnte Schmitt das unterbieten. Man hat jederzeit das Gefühl, dass er nachlegen kann, dass er in der Lage ist, nochmal Gas zu geben und zu kämpfen, wenn er es denn müsste. „Ich bin wirklich sehr zufrieden mit meinem bisherigen Spiel bei diesem Turnier, auch wenn die Putts heute nicht so richtig fallen wollten. Der Score hätte zwar noch viel tiefer sein können – gerade am letzten Loch ist der Ball nochmal ausgelippt – aber mit bisher nur einem Bogey in zwei Runden kann ich schon zufrieden sein", sagt er nach zwei Durchgängen in Adendorf, als er sich mit 12 unter Par auf Platz 1 des Leaderbords eingebucht hat.

Wer soll ihn schlagen? Jonas Kölbing, der am ersten Tag ebenfalls eine 64 ins Clubhaus gebracht hat, in Durchgang 2 ein ärgerliches Triple-Bogey an Bahn 12 kassierte und nun mit 8 unter Par Platz 2 belegt? Vielleicht. Oder seine Landsleute Maximilian Querling, Michael Ziemer oder Sean Einhaus, oder der Tscheche Stanislav Matus, die allesamt mit 7 unter Par Rang 3 teilen? Oder Spieler wie Max Kramer oder der Schweizer Marco Iten, die mit 6 unter Par ebenfalls noch in Reichweite sind? Sie alle haben natürlich das Zeug dazu.

In jedem Fall müssen die Verfolger am Mittwoch die neuen Qualitäten des Champinship-Parcours des Castanea Golf Resort optimal nutzen. Und die liegen vor allem auf den Grüns. Aufwändig haben Golfmanagerin Marion Groß Osterhueß und das Greenkeeper-Team um Hendrik Buhtz den Platz den gesamten Sommer über gehegt, gepflegt und verbessert. Im Zweiwochenrhythmus wurden die Grüns aerifiziert und geschlitzt, das Wurzelwerk belüftet. Automatische Mäher drehen auch Nachts ihre Runden am Platz. "Wir haben ein sehr intensives und konsequentes und völlig überarbeitetes Pflegekonzept installiert", so Marion Groß Osterhueß. Und hohe sechstellige Beträge investiert. Schließlich, so die Managerin, "wollen wir uns immer verbessern und weiterentwickeln." Maßnahmen, die sich vor allem beim Putten bemerkbar machen, spürbare Verbesserungen, die schon am ersten Tag offensichtlich wurden: 2016 reichten 8 unter Par, um nach drei Runden ins Stechen zu kommen. 2017 teilte 8 unter Par nach 18 Löchern die Führung. Die Grüns sind hervorragend, vor allem, aber nicht nur für die Jahreszeit. „Der Platz ist gut in Schuss, die Grüns sind wirklich sehr gut! Sie haben eine angenehme Geschwindigkeit und holpern nicht, selbst jetzt nach zwei Tagen noch nicht. Das ist eine Top-Leistung der Greenkeeper“, lobte Max Schmitt.

Wer also soll den Führenden noch abfangen? Der beste Putter? Der Spieler mit den meisten Greens in Regulation? Für beide Wertungen des Finaltags hat auch Schmitt seinen Hut in den Ring geworfen.

Finaltag 2017

Spannend, vielleicht sogar hochdramatisch wird der letzte Spieltag der Pro Golf Tour 2017 in jedem Fall. Um 9 Uhr geht's los, die Führenden schlagen um 11 Uhr ab. Weil die schon vor Wochen auf die Challenge Tour enteilte Nummer 1 der Pro Golf Tour Order of Merit, Nicolai von Dellingshausen, dort so trefflich spielt, dass er sich wohl direkt auf die European Tour weiterarbeitet, die Saison aber in jedem Fall innerhalb der Top 70 der Challenge Tour abschließt, steigen in diesem Jahr neben Dellingshausen fünf weitere Spieler des finalen Pro-Golf-Tour-Rankings auf. Sechster der Rangliste ist aktuell Max Schmitt, und selbst wenn er morgen nicht gewinnt, ist ihm der Aufstieg nicht mehr zu nehmen.

Wer wissen will, wer es außerdem noch schafft, und ob Max Schmitt als zweiter Spieler in diesem Jahr das direkte Aufstiegs-Ticket löst, kommt am Mittwoch nach Adendorf. Der Eintritt ist frei, die Club-Gastronomie auf den Ansturm vorbereitet. Für alle Golffans, die mehr als 250 Kilometer Anreise und damit ein notfalls akzeptiertes Argument fürs Fernbleiben haben, bleibt das Live Scoring im Internet. Ab etwa 16 Uhr gibt's dann Antworten auf Fragen wie: Schlägt wer Max Schmitt? Und wer spielt 2018 auf der European Challenge Tour?

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