Hickory-Holz & Featherie-Ball: Die Geschichte des Golf
Heilige Grüns im schottischen St. Andrews, ewige
Ungewißheit
darüber, ob die ersten Bälle auf der Insel oder in Holland
flogen,
Turniere mit hundert Jahre alter Ausrüstung aus Hickory-Holz und
in wallenden Gewändern: Keine andere Sportart feiert und
zelebriert
ihre eigene Geschichte so wie der Golfsport, keine hält die
Tradition
so hoch. Und das, obwohl bis heute nicht als gesichert gilt, ob
es tatsächlich
holländische Edelleute waren, die im Jahr 1296 ihre Freizeit mit
der Urform des Golfspiels verbrachten, oder ob nicht sogar schon
die alten
Römer ähnliche Spiele kannten. Oder ob nicht das, was dem
heutigen
Golf am nächsten kommt, tatsächlich doch in Schottland erfunden
wurde.
"Es ist unwahrscheinlich, dass der Ursprung des Golfspiels je
entdeckt
wird", schreibt der Golf-Historiker Steven van Hengel in seinem
Werk
"Wie der Golfball fliegen lernte", und erklärt auf den
folgenden 75 Seiten auch gleich warum. Zwar gibt es genaue
Anhaltspunkte
darüber, wann in den einzelnen Ländern die ersten Aufzeichnungen
über das Spiel begannen - in Schottland ab 1457, in den
niederländischen
Provinzen bereits um 1360, doch dies läßt er nicht als Beweis
dafür gelten, dass das Spiel nicht lange vorher schon seine
Anhänger
hatte.
Aller Wahrscheinlichkeit nach, so van Hengel in
seinem
Standard-Werk, fand das erste Golfspiel, das diese Bezeichnung
verdient,
am 26. Dezember 1297 in der Provinz Nordholland statt. Ian
Henderson datiert
das Ereignis in seinem Werk "Golf - ein Blick zurück" zwar
ein Jahr früher, doch beide Autoren gehen letztlich davon aus,
dass
das Spiel den Weg von Holland über den Atlantik nach Schottland
fand.
Worauf auch Aufzeichnungen schließen lassen, die belegen, dass
Vorläufer
der heutigen Golfbälle zunächst von Holland nach Schottland
exportiert wurden, und nicht umgekehrt.
Beide Bücher geben einen guten Überblick
über die Geschichte des Golfsports, und über die Streitfrage,
wo dessen Wiege nun wirklich stand. Sicher ist: Keine zweite
Sportart
hat sich, was Ausrüstung und Material angeht, so sehr
technologisch
und rasant nach vorne entwickelt, ohne dabei das Interesse an
der eigenen
Vergangenheit zu verlieren.
Noch heute gibt es historische
Turniere, die
mit Schlägern und Bällen aus einer früheren Golf-Ära
ausgetragen werden, und eines der besten Golfmuseen Europas
befindet sich
in Deutschland: Der Regensburger Kunsthistoriker Peter Insam hat
im Keller
seines Antiquitätenladens in Regensburg eine hervorragende
Sammlung
historischer Golfschätze zusammengetragen, die zu den
Geschäftszeiten
und nach telefonischer Vereinbarung besichtigt werden kann.
Vom Featherie-Ball bis zu genagelten Golfschuhen aus den 20er
Jahren eine
Sammlung von über 2000 wertvollen Kleinodien - sehenswert für
jeden echten Golffan (golfmuseum.de).