Roland Becker (l.) und Pascal Proske sicherten sich mit ihren Teams den Sieg beim Final Four. Foto: DGV
Roland Becker (l.) und Pascal Proske sicherten sich mit ihren Teams den Sieg beim Final Four. Foto: DGV

Final Four Gewinner

Die Meistertrainer

Am 20. August fand auf der Anlage des Kölner Golfclub das Finale der Final Four, der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Golf statt. Bei den Herren konnte das Team des GC Hubbelrath unter Trainer Roland Becker zum bereits dritten Mal in Folge den Titel erringen. In der Damen-Wertung gab es ebenfalls eine Titelverteidigung: Die Damen des GC St. Leon-Rot sicherten sich erneut die Trophäe, diesmal mit ihrem neuen Coach Pascal Proske. Wir haben uns mit den beiden über das Final Four und die Herausforderung des Mannschafts-Trainings unterhalten.

von Christian Langer - 25. September 2017 14:00

Herr Proske, Sie haben die Bundesliga-Damen des GC St. Leon-Rot zu Beginn der Saison 2017 übernommen und auf Anhieb den Titel geholt respektive verteidigt. Herzlicher Glückwunsch! War das das Saisonziel, oder kam dieser tolle Erfolg doch etwas überraschend?

Pascal Proske: Wir haben uns als Team definitiv auf die Verteidigung des deutschen Meister Titels vorbereitet. Als Team in frischer Konstellation mit jungen Spielerinnen und einem neuen Trainer, hat die Mannschaft diese Herausforderung sensationell gemeistert. Natürlich haben wir als Team auch große Ziele und Pläne für die Zukunft. Wir werden weiter hart arbeiten und sind gespannt wo uns der gemeinsame Weg hinführt. Diese Position im GC St. Leon-Rot bietet so vieles, was ich an meiner Arbeit und unserem Sport so schätze. Es steckt eine riesiges Potential in dieser Herausforderung und ich möchte es entdecken.

 

Herr Becker, bei Ihnen stand ebenfalls der Titelverteidigung auf dem Programm, allerdings schon die zweite in Folge, bereits Ihr vierter Titelgewinn. Auch an Sie: Herzlichen Glückwunsch! Haben Sie damit gerechnet oder kann man damit nicht planen?

Roland Becker: Unser Saisonziel ist eigentlich seit Jahren das gleiche: Wir wollen das Final Four erreichen, damit wir dann im Lochspiel die Chance haben, um den Titel mitzuspielen. Völlig überrascht waren wir nicht von dem Erfolg, aber wir waren sicher auch nicht Favorit für dieses Final Four.

 

Was reizt Sie an dieser speziellen Aufgabe als Coach, ein Team zu trainieren und zu fördern und fordern?

RB: Das Team besteht aus vielen verschiedenen Persönlichkeiten. Ich bemühe mich, jeden nach seinen Bedürfnissen zu fördern und jedem zu helfen, sein persönliches Optimum zu erreichen. Aus diesen sehr leistungsstarken Einzelkämpfern dann eine Mannschaft zu machen, die als Team noch stärker ist als der einzelne, weil die Jungs sich alle gegenseitig motivieren, fordern und unterstützen, macht für mich den Reiz der Mannschaft aus.

Das ist nicht immer leicht und bleibt auch nach vielen Jahren immer spannend.

 

Herr Proske, was hat Sie daran gereizt, diese spezielle Aufgabe im Club zu übernehmen?

PP: Interessante Frage. Kurz und knapp würde ich sagen: meine Leidenschaft zum Leistungssport. Diese Position im GC St. Leon-Rot bietet so vieles, was ich an meiner Arbeit und unserem Sport so schätze. Es steckt eine riesiges Potential in dieser Herausforderung und ich möchte es entdecken.

 

Was war die spezielle Stärke des Teams in dieser Saison und beim Final Four?

RB: Unsere Stärke ist, dass wir einen besonders ausgeprägten Teamgeist haben. Viele unserer Spieler denken schon Anfang des Jahres darüber nach, wie wir in der Saison als Team wieder erfolgreich sein können. Sie unterstützen sich gegenseitig und wenn sie Schwächen bei Teamkameraden entdecken, helfen sie sich gegenseitig oder informieren mich. Und ganz sicher wirkt sich das auch auf unsere besonders starken Vierer aus.

PP: Auf jeden Fall unser enger Teamzusammenhalt und die Freude am Spiel. Auf jeden Spieltag haben wir uns konzentriert vorbereitet und immer wieder auch Aufgaben als Team gelöst. Alle haben an einem Strang gezogen und jeder wusste was er zu tun hat – das hat am Ende vielleicht den Unterschied gemacht. Mit geschlossener und guter Leistung sind wir zu den Spieltagen gefahren und jeder hat sich gefreut mit den anderen da sein zu dürfen. Zum Final Four wurde dieses Gefühl nur umso intensiver. Unser Team hat vor Freude quasi gebrannt und das haben sie am Wochenende gezeigt.

 

An den fünf Spieltagen wird Zählspiel gespielt, beim Final Four Matchplay - ist das gut so?

RB: Ich mag den Modus, so wie er ist. Man muss im Zählspiel zeigen, dass man insgesamt über das Jahr hinweg immer wieder zu den stärksten Mannschaften gehört. Und zum Finale wird dann Mann gegen Mann gespielt. Diese Spielform macht sowohl Spielern als auch Zuschauern besonders viel Spaß.

PP: Ich halte die Kombination aus Zählspiel und Matchplay für sehr gelungen. Das Zählspiel stellt das Zentrum unserer heutigen Sportart dar, dennoch ist das Matchplay die ursprünglichere Form. Im Matchplay ist nochmal alles offen, man spielt um einzelne Löcher und einzelne Matches – das bringt auch ein so spannenden Reiz in das Final Four. Jeder will gewinnen, jeder kann gewinnen. Die Form des Matchplays ist im Finale um den deutschen Meistertitel von zentraler Bedeutung.

 

Was ist das Besondere am Team-Coaching?

RB: Ich glaube, da gibt es sehr unterschiedliche Ansichten. Ich betreue im Team jeden Spieler individuell. Ich versuche auch alle Spieler zu Selbstständigkeit zu entwickeln. Das gemeinsame Training gibt uns Gelegenheit, miteinander zu trainieren und voneinander zu lernen. Und wer mich schon mal bei einem der Spieltage beobachtet hat, wird sehen, dass ich kaum coache. Ich möchte den Spielern vertrauen und auch die Verantwortung bei ihnen lassen. So lernen sie meines Erachtens am meisten und sind auch erfolgreich, wenn sie alleine unterwegs sind.

PP: Im Golfen ganz besonders die Brücke zu bauen zwischen den individuellen Bedürfnissen der Spielerinnen und dem Gefühl der Gemeinsamkeit. Wir fühlen uns als große Familie und das gibt jedem die zusätzliche Stärke und den Willen noch die letzten Prozente oben drauf zu legen – auch mir! Ich möchte das Gefühl als Team durch dick und dünn zu gehen nicht missen wollen.

 

Wie oft trainieren Sie mit dem Team?

PP: Nicht so oft, wie man es vielleicht erwarten würde. Wir haben als Team 1x pro Woche Golftraining und 1x pro Woche Athletiktraining. Dieser Trainingsumfang soll allerdings nicht täuschen. Das Training und die Entwicklung der Spielerinnen findet sehr viel im individuellen Bereich statt. Obwohl wir ein Team sind, ist doch jede Spielerin anders und benötigt zu bestimmten Zeiten auch individuelle Schwerpunkte. Zudem ist die Eigenverantwortung der Spielerinnen ein wichtiger Bestandteil in unserer Arbeit. Wenn nicht jeder verstehen würde, dass es auf den Schweißtropfen jedes einzelnen ankommt, wäre diese Leistung nicht möglich gewesen.

RB: Als Team haben wir einen wöchentlichen Trainingstermin. Zusätzlich kommen manche Spieler einzeln zu mir. Im Frühjahr machen wir seit vielen Jahren ein gemeinsames Trainingslager und ich bin bei allen Spieltagen dabei.

 

Welche Möglichkeiten hat der Coach, während des Wettkampfes zu steuern/einzugreifen?

RB: Der Coach kann Entscheidungen der Spieler punktuell beeinflussen. Aber die meines Erachtens wichtigsten Entscheidungen sind: Wer spielt; wer spielt mit wem Vierer; wer hat welchen Caddie; in welcher Reihenfolge wird gestartet. All diese Dinge finden aber nicht auf der Runde statt. Auf der Runde coache ich fast nie. Wenn ich bei einem Spieler mal wirklich genau wissen will, was auf der Runde so passiert, mache ich für ihn Caddie. Das habe ich bei Nicolai und Max (von Dellingshausen und Kieffer, Anm. d. Red.) sehr oft gemacht und hilft enorm.

PP: Viele und keine. Der Coach kann sich individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Spieler einstellen, der Coach kann den Überblick über das Geschehen behalten und an den Stellen agieren, an denen es entscheidend wird. Für mich ist die Vorbereitung ein ganz wesentlicher Part des Coachings im Turnier. Neben dem, dass ich meinen Spielerinnen Freude vermitteln möchte, bin ich für meine Spielerinnen immer „ready to answer“. Der Coach hat viele Punkte auf die er einwirken kann – dennoch wird die finale Entscheidung von den Spielerinnen getroffen und das ist auch gut so!

Worin unterscheidet sich das Training von Männermannschaften und Frauenteams?

RB: Da kenne ich mich nicht aus. Im Ernst, die Bedürfnisse von Frauenteams liegen ganz anders als bei den Männern. Bei den Männern stehen immer Wettbewerb und Erfolg im Vordergrund. Eine Runde, in der meine Männer miteinander spielen, in der es nicht um irgendetwas geht, können sich die meisten in meinem Team gar nicht vorstellen. Und in einer Frauenmannschaft wird so gut wie nie um irgendetwas gespielt. Themen wie Harmonie, Teamatmosphäre, gemeinsame Aktivitäten etc. stehen viel mehr im Vordergrund. Auch ist die Betreuungsintensität bei Frauen viel höher. Es ist meines Erachtens deutlich mehr gemeinsames Training nötig, um eine Frauenmannschaft optimal zu fördern, als dies bei den Männern der Fall ist. Ich habe mich mal als Frauentrainer versucht und dabei echt meine Grenzen kennen gelernt.

PP: Auch eine spannende Frage. Vermutlich ist diese am leichtesten zu beantworten, wenn man das Interview von Roland Becker mit meinem vergleicht (lacht). Ich glaube, dass beide Geschlechter ganz viele Besonderheiten, aber auch Schwierigkeiten mit sich bringen. Ich glaube, auf diese Frage gibt es keine klare Antwort – dies ist auch immer sehr abhängig von der Persönlichkeit, die der Trainer mitbringt.

 

Welches war für Sie der spannendste Moment des Final Four?

PP: Der spannendste Moment im Final Four war für mich auf jeden Fall das Stechen gegen den GC Berlin-Wannsee, es war auch das erste meiner Trainer-Karriere. So wie wir wissen, dass im Matchplay alles passieren kann,  verhält es sich im Stechen auch – nur noch extremer. Drei Spielerinnen, 1 Loch, 2 Punkte – da ist wirklich alles drin und jeder einzelne Schlag kann entscheiden, jeder einzelne Fehler kann einen Punkt kosten.

RB: Die letzte Stunde im Finale gegen Hamburg wollte einfach nicht enden. Erst sah es nach einem relativ klaren Sieg aus, doch dann wurde es immer knapper.

 

In St. Leon-Rot stehen Spielerinnen wie Karolin Lampert und Sophia Popov, in Hubbelrath European Tour Spieler Max Kieffer im Kader. Welche Rolle spielt der Einsatz von Professionals für das Gesamtergebnis?

PP: Die große Bedeutung der beiden kann man nicht außer Acht lassen. Sie tragen zu dem Gesamtergebnis des Teams nicht nur herausragende Leistungen bei, sie sind zudem auch von unschätzbarem Wert für unser Teamgefühl und die Motivation jeder einzelnen noch besser werden zu wollen. An dieser Stelle möchte ich mich bei den beiden auch von ganzem Herzen bedanken. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass Profis, die mit dieser Sportart ihr Geld verdienen, so viel Zeit mit einem/ mit ihrem Team verbringen und auch voller Leidenschaft und Einsatz an den Wettkämpfen teilnehmen. Vielen Dank Karo und Sophia!

RB: Max ist schon seit so vielen Jahren Teil der Mannschaft. Ich glaube, er hat als 13-Jähriger seinen ersten Einsatz in der 1. Bundesliga gehabt. Die Spieler aus unserer Mannschaft sind zum Teil enge Freunde und Trainingspartner. Und das gilt natürlich auch umgekehrt. Das ganze Team hat sich gefreut, dass er dabei war, und sportlich war er natürlich auch eine deutliche Verstärkung. 

 

Vielen Dank für das Interview.

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