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Interview

News

„Die Ausbildung zum PGA Professional ist der Einstieg zu einer Karriere im Golf“

17. November 2022

Martin Hasenbein als Ausbildungskoordinator der PGA of Germany und Oliver Neumann als sein Stellvertreter und vielfacher Jahrgangsleiter, haben schon hunderte Azubis auf ihrem Weg zum Fully Qualified PGA Professional begleitet. Im PGA Ausbildungs- und Prüfungszentrum im Quellness & Golf Resort Bad Griesbach erklären Sie, wie die Berufsausbildung abläuft, was ein Interessent mitbringen muss, um sie erfolgreich zu gestalten, und welche Karrieremöglichkeiten ein engagierter PGA Professional heute im modernen Golfmarkt hat.

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Martin Hasenbein, die Ausbildung der PGA of Germany zum Fully Qualified PGA Golfprofessional genießt international einen hervorragenden Ruf. Was zeichnet das deutsche Angebot aus?

Martin Hasenbein: Unser Angebot wird von vielen geschätzt, weil wir eine stark personenorientierte Ausbildung haben. Zum Programm gehören während der drei Jahre insgesamt zehn Seminarwochen, die wir mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemeinsam verbringen, womit wir eine gewisse Nähe schaffen, um letztlich effektiv ausbilden und die Menschen in ihrer Entwicklung begleiten zu können. Zudem haben wir mittlerweile ganz hervorragende Ausbildungsunterlagen für alle Themen. Hier gibt es beständig Updates, alles steht zum Download auf der Website zur Verfügung. Auch das gibt den Teilnehmern eine gewisse Sicherheit, sich bei uns in der Ausbildung wohl zu fühlen.

Inwiefern stehen den Auszubildenden bei Fragen Ansprechpartner zur Verfügung?

MH: Wir haben ein großes Team, das sich mit dem Thema Ausbildung befasst. Neben mir ist das mein Kollege und Vertreter als Ausbildungskoordinator, Oliver Neumann, außerdem die Kolleginnen und Kollegen des Lehrteams sowie Ines Halmburger als Geschäftsführerin der PGA Aus- und Fortbildungs GmbH und der PGA of Germany. Daneben kümmert sich in der PGA Geschäftsstelle Laura Schindlmayr um viele organisatorische Belange und steht mit Rat und Tat zur Seite. Wir haben in den letzten 25 Jahren ein ziemlich großes Konstrukt geschaffen, um Menschen in der Ausbildung zum PGA Professional zu begleiten.

 

Das gesamte Interview als Audio-Datei.

Läuft die Ausbildung in anderen Ländern und bei anderen PGAs ebenso ab wie in Deutschland?

MH: Das Ausbildungsangebot der PGA of Germany wurde von der Confederation of Professional Golf, das ist gewissermaßen eine Art europäischer Dachverband, mit dem höchsten Prädikat „Professional Level“ ausgezeichnet – als erstes Ausbildungssystem überhaupt. Bei PGAs, die eine ähnliche Größe wie unsere PGA of Germany haben, sind ähnliche Strukturen in der Ausbildung installiert. Vergleichbar sind sicher die Angebote der PGAs von Holland und Schweden und natürlich auch England. Dort finden sich ähnliche Strukturen, und auch die Teilnehmer der dortigen Ausbildungen erhalten ein gutes Angebot.

Bedeutet die Vergleichbarkeit der Ausbildungen auch, dass jemand, der zum Beispiel in Schweden die Ausbildung zum PGA Professional gemacht hat, auch hierzulande einen Job findet – und umgekehrt?

MH: Auf jeden Fall! Wenn eine Ausbildung offiziell von der CPG anerkannt wurde, dann haben Menschen aus dem Ausland die Möglichkeit, bei uns als PGA Professional tätig zu sein. Umgekehrt können die Mitglieder der PGA of Germany sicher sein, in Holland, Schweden oder England sowie auch bei vielen kleineren PGAs beziehungsweise Ländern als Professionals des Golfsports anerkannt und willkommen zu sein, und sich dort mit sehr guter Aussicht auf Erfolg um einen Arbeitsplatz bewerben.

 

„Das Allerwichtigste ist zunächst einmal, dass man dieses Spiel liebt."

 

Oliver Neumann, Sie haben schon viele hundert Azubis während ihrer Ausbildung zum PGA Professional begleitet. Für wen ist die Karriere als PGA Professional eine interessante Option?

Oliver Neumann: Das Allerwichtigste ist zunächst einmal, dass man dieses Spiel liebt. Ich kenne sehr viele Golferinnen und Golfer, die diesen Sport lieben und sich nichts mehr wünschen, als ihr Hobby zum Beruf zu machen, doch an dieser Stelle muss schon auch klar sein: Wenn man sich entscheidet, diesen Schritt zu gehen, dann überwiegt in der Folge auch das Berufsleben in diesem Bereich, und das kann auch sehr fordernd sein. Aber die Liebe zum Spiel, die Hingabe und vor allem auch der Wunsch, anderen Menschen, die mit dem Golfspielen anfangen, neben dem ganzen technischen Können auch die Leidenschaft für Golf weiterzugeben, ist der wichtigste Antrieb und eine ganz wesentliche Voraussetzung, um in diesem Beruf glücklich und erfolgreich zu werden. Die Schüler spüren, ob jemand das aus Leidenschaft macht oder ihn andere Dinge antreiben. Die Liebe zum Spiel ist das Kernelement.

Sie haben es angedeutet: Der Beruf stellt durchaus auch große Anforderungen?

ON: Auf den ersten Blick haben wir in unseren Breitengraden natürlich einen sehr saisonalen Job mit einem Schwerpunkt in den Sommermonaten. Da ist die Belastung des Trainers im klassischen Kerngeschäft des Unterrichtens schon hoch. Aber im Grunde ist der Beruf des Golfprofessionals inzwischen auch in Deutschland eine ganzjährige Aufgabe, sei es durch Trainingsreisen im Frühjahr und im Herbst, oder auch durch die zahlreichen tollen Indoor-Facilities und Trainingsmöglichkeiten, die mittlerweile auf vielen Golfanlagen ganzjährig zur Verfügung stehen. Hier kommt dann aber auch schon wieder der Aspekt der Freude an der Aufgabe ins Spiel: Ich empfinde meine Aufgabe selten als Arbeit, sondern eher als bezahlte Selbstverwirklichung.

Die pure Leidenschaft fürs Spiel allein genügt allerdings nicht, um Golflehrer zu werden. Wie gut sollte man selbst spielen, wenn man Golflehrer werden will?

Martin Hasenbein: Eine gewisse Qualität im eigenen Spiel gehört dazu. Um in dieses berufliche Umfeld des PGA Professionals zu kommen, ist eine Spielstärke von um die 80 Schläge im Zählspiel auf einem Par-72-Platz nötig. Das prüfen wir auch beim sogenannten Playing Ability Test, dessen Bestehen Voraussetzung ist, um zur Prüfung zum Fully Qualified PGA Professional zugelassen zu werden; man muss beim PAT an zwei aufeinanderfolgenden Tagen eine Leistung in diesem Bereich nachweisen. Ältere Menschen, die die Ausbildung vergleichsweise spät absolvieren, haben hier einen etwas größeren Spielraum. Wir stellen uns vor, dass jemand zu den zehn oder 20 besten Golfern im Club gehören sollte, dann bringt er oder sie die spielerische Voraussetzung mit, um in diese Ausbildung eizusteigen.

Sprechen Sie damit gezielt auch die Mitglieder der Clubmannschaften an?

MH: Natürlich! Wer Mitglied einer Clubmannschaft ist, zeigt neben einer gewissen Spielstärke ja alleine durch ihre Zugehörigkeit zum Team und den damit verbundenen Aufwand schon die Liebe zu diesem Sport und eine hohe Begeisterung. Wenn dann noch der Wunsch dazu kommt, anderen etwas weiterzugeben, diese Begeisterung zu teilen und Menschen zu helfen, dieses Spiel zu erlernen, dann ist das eine Kombination, die der Startschuss für eine berufliche Karriere als Golfprofessional sein kann.

Golfamateure zwischen 16 und 66 Jahren haben sich schon entschieden, eine Ausbildung zum PGA Professional zu beginnen und ein Professional des Golfsports zu werden. Gibt es Ihrer Erfahrung nach das perfekte Alter, um in die Modulausbildung einzusteigen?

Oliver Neumann: Das kann ich ganz klar verneinen! Sowohl für die, die sich relativ früh entscheiden, diesen Berufsweg einzuschlagen, als auch für die Spätberufenen bietet dieser Job unheimlich viele Möglichkeiten, die eigenen Stärken einzubringen. Wer beispielsweise schon über eine gewisse Berufserfahrung verfügt und gut organisiert ist, geht die Ausbildung vielleicht etwas strukturierter an als jemand, der gerade 18 Jahre alt geworden ist. Aber in unseren Lehrgängen zum Beispiel ist diese Mischung aus Jung und Alt ganz phantastisch für die Entwicklung jedes Einzelnen. Die Jungen profitieren von der Lebenserfahrung der Älteren, die häufig die bessere Menschenkenntnis aufweisen, und die Älteren profitieren vom Flair und dem Elan der Jüngeren; manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Älteren bei uns in der Ausbildung noch zwei oder drei Jahre jünger werden …. Wer ernsthaft darüber nachdenkt, diesen Beruf zu ergreifen, sollte sich von einem vielleicht fortgeschrittenen Alter nicht abhalten lassen. Das ist am Ende ja auch nur eine Zahl, und man ist immer so alt, wie man sich fühlt.

Wie muss man sich die dreijährige Ausbildung vorstellen, wie läuft das im Normalfall ab?

Martin Hasenbein: Seit 2012 haben wir ein dreistufiges modulares System, das jeder Azubi durchläuft, und das die Grundlage unseres dualen Ausbildungssystems ist, das aus Praxis und Theorie besteht. Es beginnt mit dem sogenannten PreCourse, der im Prinzip eine C-Trainer-Ausbildung mit golfspezifischen Inhalten darstellt. Wer den PreCourse erfolgreich absolviert, kann in die Modulausbildung I einsteigen und diese nach einem Jahr mit der Assistentenprüfung abschließen. Der PGA Assistant kann in der Folge Unterricht für Einsteiger und Schnupperkurse geben sowie zum Beispiel das Kinder- und Jugendtraining auf Einsteiger-Level leiten. Weiter geht es dann mit Modul II, das nach zwei weiteren Jahren zum Status des Fully Qualified PGA Professionals führt, der Spielerinnen und Spieler aller Leistungsklassen unterrichten und coachen kann, bis hin zu Erstligamannschaften oder auch Tourspielern. Insgesamt muss man also rund dreieinhalb Jahre investieren, wenn man diese Ausbildung vollständig durchlaufen möchte.

Weshalb wurde 2012 die Zwischenstufe des „PGA Assistant“ eingeführt?

MH: Zum einen haben die Golfclubs und Golfanlagen in Deutschland immer wieder hohen Bedarf an Golflehrern, die Unterricht speziell für Kinder, Jugendliche und Einsteiger anbieten können, der auf gutem Niveau stattfindet und gleichzeitlich bezahlbar bleibt – sowohl für den einzelnen Amateur als auch für den Club, der attraktive Kursangebote machen möchte, um zum Beispiel Neumitglieder zu gewinnen. Andererseits gibt es auch Menschen, die das berufliche Umfeld des Golfprofessionals kennenlernen und dort eingebunden sein möchten, aber einfach nicht die Spielstärke mitbringen, um einen Playing Ability Test zu bestehen; sie können sich im Anfängerbereich verwirklichen und auch als PGA Assistant ein erfülltes Berufsleben haben. Aber unsere Erfahrung zeigt: Wer wirklich Karriere machen möchte im Golf, absolviert die vollständige Ausbildung in allen drei Stufen.

Praktisches Können wird während der Ausbildung ebenso vermittelt wie theoretisches Wissen. Wie hoch ist da der jeweilige Anteil in Prozent?

MH: Etwa drei Viertel der Ausbildungszeit ist der Praxis zugeordnet, weil wir überzeugt sind, dass der Beruf des Golflehrers ein praxisnaher Beruf ist. Die nötigen theoretischen Grundlagen schaffen wir in den Seminaren, die rund ein Viertel der Zeit ausmachen. Wer den ganz klassischen Weg geht, erhält die praktische Ausbildung in einem Golfclub, wo ihn ein PGA Professional mit spezieller Ausbilderbefähigung während der Module I und II anleitet; daneben besucht er die überbetrieblichen Seminare der PGA of Germany, in denen wir das theoretische Wissen vermitteln. Seit nunmehr zehn Jahren gibt es darüber hinaus auch sehr gute Möglichkeiten für Quereinsteiger, die die Ausbildung nicht in Vollzeit absolvieren wollen oder können. Sie besuchen die Seminare wie alle anderen Azubis auch, absolvieren den Praxisteil aber zum Beispiel in Form eines Praktikums in einem Club oder beim Besuch von speziellen Tutorenseminaren. Im Grunde sind das drei Varianten der Berufsausbildung, und der Azubi kann wählen, welche Variante am besten zu seinem Leben passt. Wir ermöglichen auf diese Weise vielen Menschen, sich ihren Traum zu erfüllen, diesen Beruf zu ergreifen.

Welche Rolle spielt der jeweilige Ausbilder im Golfclub in diesem System?

MH: In der Struktur der dualen Ausbildung sind die Ausbilder in den Clubs extrem wichtig. Während wir die Azubis insgesamt nur etwa 50 Tage in den Seminaren bei uns haben, sind sie die meiste Zeit im Golfclub und erfahren dort, was es heißt, PGA Professional zu sein. Deshalb spielen die Ausbilderin oder der Ausbilder eine ganz zentrale Rolle in der Persönlichkeitsentwicklung, gerade bei jüngeren Menschen. Da geht es um Pünktlichkeit, um Zuverlässigkeit, Fokussierung. Der Azubi muss seine Zeit organisieren, um neben der Arbeit im Golfclub auch die Vorbereitung auf zum Beispiel die überbetrieblichen Seminare oder die Prüfungen zu meistern. Bei all diesen Dingen spielt der Ausbilder eine sehr zentrale Rolle. Das ist auch der Grund, weshalb nur ausbilden darf, wer ein spezielles Ausbilderseminar besucht hat und diese Lizenz auch alle zwei Jahre durch den Besuch eine Fortbildungsseminars auf aktuellen Stand bringt. Auf diese Weise haben wir einen sehr guten Dialog zwischen den Kollegen, die in den Clubs ausbilden, und dem PGA Lehrteam. Und auch auf diese Weise wollen wir ein einheitlich hohes Niveau unserer Ausbildung sichern.

Und wie findet man den passenden Ausbilder?

MH: Zunächst einmal sind aktuelle Ausbildungsplatzangebote auf unserer Verbandswebsite einsehbar, dort zeigen Clubs und Ausbilder an, wenn sie einen Azubi annehmen. Um dann den für sich persönlich am besten passenden Ausbilder zu finden, da ist dann natürlich etwas Glück und auch etwas Mut gefragt. Es hilft sicherlich, und zwar beiden Seiten, im Vorfeld mal ein Schnupper-Praktikum zu machen, um festzustellen, ob das passen könnte – auch auf der menschlichen Ebene.

Aktuell beginnen jedes Jahr zwischen 60 und 70 Menschen mit der Ausbildung zum Fully Qualified PGA Professional. Gibt es für alle einen Ausbildungsplatz?

Oliver Neumann: Ja! Aktuell besteht seitens der Golfclubs sogar eine unheimlich hohe Nachfrage nach Auszubildenden, was dazu führt, dass die PGA-Kollegen von ihren Clubs motiviert werden, die Ausbilderlizenz zu erwerben. Was übrigens sowohl für den Ausbilder als auch für den Club von großem Vorteil ist, denn gerade dieser Teil der Arbeit hält einen absolut up-to-date, was den modernen Golfunterricht betrifft, und man bekommt viele Infos und kann jede Menge Know-how in den Club und auch in die eigene Arbeit einbringen. Außerdem macht es auch großen Spaß, eine künftige Kollegin oder einen Kollegen auszubilden. Andererseits ist auch klar: Man übernimmt als Ausbilder Verantwortung und muss diese zusätzliche Ausgabe natürlich auch zeitlich und finanziell einplanen und organisieren.

Was genau kann der Absolvent der PGA Ausbildung nach dreieinhalb Jahren? Wen kann und darf er unterrichten?

ON: Wir haben eine anerkannt sehr anspruchsvolle Abschlussprüfung. Wer sie mit Erfolg absolviert, ist qualifiziert, auch Fortgeschrittene Golfer bis hin zum Leistungsgolfer zu unterrichten. Wenn wir nach den dreieinhalb Jahren einen Fully Qualified PGA Professional auf den Mark entlassen, wird er im Normalfall schon ein Interesse für einen bestimmten Teil des Unterrichtens oder auch des Golfmarkts entwickelt haben. Der eine geht vielleicht mehr in den Bereich Sport oder Leistungssport, ein anderer möchte Freizeitgolfern zu noch mehr Freude am Spiel verhelfen. Und wieder andere setzen nach der Ausbildung noch was oben drauf, machen noch den Betriebswirt und sehen die PGA Ausbildung als Grundlage einer Karriere im Golfmarkt ganz allgemein, im Management oder in der Golfindustrie.

Ein gutes Stichwort! PGA Professionals sind heute weit mehr als Schwungunterweiser – ihnen stehen viele Karrierewege im Golfmarkt offen. Haben Sie ein paar Beispiele, wohin man sich mit der Grundlage dieser Berufsausbildung entwickeln kann?

Martin Hasenbein: Das hat sich sicherlich auch durch den Einfluss der PGA of Germany in den letzten Jahren verändert. Zu Beginn des dritten Ausbildungsjahres mache ich bei den Absolventen immer eine Umfrage, in welche Richtung ihre berufliche Perspektive geht. Bis vor fünf oder sechs Jahren haben sich die 45 bis 50 Befragten zu nahezu 100 Prozent bei der Arbeit auf einer Driving Range gesehen, wo sie Golfunterricht erteilen. Das hat sich deutlich verändert. Da gibt es heute Absolventen, die noch eine Greenkeeper-Ausbildung anschließen, andere wollen in den Athletik-Bereich und in den Leistungssport, wieder andere wollen in die Golfindustrie, was beim Schlägerfitting beginnt und bis hin zu leitenden Positionen bei bekannten Golffirmen führt – in Deutschland oder auch international! Wenn man heute beispielsweise bei einem Schlägerhersteller wie Titleist in England anruft, um eine Auskunft zu erhalten, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man einen PGA Professional am Telefon hat, der dann entsprechend kompetent weiterhelfen kann. All das gilt auch für den gesamten Bereich des Managements von Golfanlagen, und auch ein Director of Golf eines Resorts ist heute schon in vielen Fällen ein PGA Professional. Einer der Vorreiter dieser Entwicklung ist zum Beispiel unser Kollege Wolfgang Müch, der die Golfanlage in Gut Kaden leitet und dort schon früh ins Management eingestiegen ist. Insofern ist die Ausbildung zum PGA Professional manchmal nur der Anfang und der Einstieg zu einer Karriere in einem der vielen Segmente des Golfmarkts.

Ist das auch ein Grund für die große Themenbreite im Fortbildungsprogramm der PGA of Germany?

Es ist tatsächlich unser Ziel, dafür zu sorgen, dass der PGA Professional sich im gesamten Golfmarkt ausbreitet. Insofern berücksichtigt unser Fortbildungsprogramm eine große Bandbreite an Themen. Wir sind überzeugt davon, dass der Begriff PGA Professional nicht nur heißt, dass da jemand Golflehrer ist und Golfstunden gibt, sondern dass dies ein Professional of Golf ist, der sein berufliches Zuhause in vielen Bereichen dieses Sports und dieses Marktes finden kann. Das geht nicht unbedingt nach den dreieinhalb Jahren der Grundausbildung, aber wer sich fortbildet, dem steht tatsächlich der gesamte Golfmarkt offen. Wer einen solchen, wie wir es nennen, „Career-Pathway“ beschreiten möchte, den unterstützen wir dabei, zeigen Möglichkeiten auf und bieten zumindest in Teilen auch entsprechende Programme zur Spezialisierung an.

Der Beruf des Golflehrers fordert großen Einsatz auch am Wochenende, die Arbeitszeiten in der Saison sind lange: Worauf muss sich der einstellen, der diesen Berufsweg einschlägt? Work-Life-Balance zum Beispiel steht bei Berufseinsteigern heute hoch im Kurs. Garantiert das der Beruf des PGA Golfprofessionals?

Oliver Neumann: Das Thema Work-Life-Balance ist tatsächlich ein wichtiges Thema. Wenn man die Ausbildung beginnt, muss man sicherlich mit Engagement an die Sache herangehen, und in dieser Phase ist es vielleicht in der Tat etwas mehr Work als Life. Und dass Wochenend-Arbeit bei diesem Beruf einfach dazugehört, sollte einem auch klar sein. Aber ich habe schon das Gefühl, dass sich auch hier einiges entspannt. Vor 20 Jahren war es undenkbar, dass der Golftrainer im Sommer zwei Wochen Urlaub macht. Heute ist das durchaus möglich und wird akzeptiert, denn jeder muss mal seinen Akku aufladen und wieder neue Energie schöpfen. Auf der anderen Seite ist es auch so: Wenn man seinen Job gerne macht, kostet das weniger Energie, und der erste Schritt zu einer guten Work-Life-Balance ist ja schon die Entscheidung für einen Beruf, der einem Freude macht. Wer leidenschaftlicher Golftrainer ist und den ganzen Tag auf der Range steht und arbeitet, hat abends immer noch Energie, wenn er nach Hause kommt, weil er Freude an dem hat, was er tagsüber getan hat. Ich habe jedenfalls noch von keiner Kollegin und keinem Kollegen gehört, die es bereut hätten, diesen Beruf ergriffen zu haben.

Ihr Kollege Achim Lehnstaedt hat einmal gesagt: Es gibt keinen schöneren Job als den, bei dem man nicht auf die Uhr schaut, wann die Arbeitszeit endlich zu Ende ist, und das sei ihm als Golfprofessional noch nie passiert. Können Sie das unterschreiben?

Das kann ich sogar absolut unterstreichen! Und für mich hört Golf selbst in der Freizeit nicht auf, weil ich immer noch so ein begeisterter Golfspieler bin, dass ich auch auf dem Golfplatz bin, wenn ich mal frei habe. Und wenn ich mal abends zuhause bin, läuft die PGA Tour im Fernsehen. Ich lebe für Golf und ich liebe Golf. Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen!

So viel Enthusiasmus ist tatsächlich ansteckend – wer das alles liest und begeisterte Golferin oder begeisterter Golfer ist, kann ja fast nicht mehr anders, als die Ausbildung zum PGA Professional zu machen! Wobei die Abschlussprüfungen den Ruf haben, sehr anspruchsvoll zu sein …

Martin Hasenbein: Am Ende der Ausbildung steht tatsächlich eine sehr anspruchsvolle Prüfung, und das Niveau entspricht sicherlich dem anspruchsvoller Prüfungen in anderen Berufszweigen. Diese Prüfung ist letztlich aber schlichtweg das Ergebnis von dem, was wir ausgebildet haben. Da wir uns bemühen, sehr breitgefächert und sehr intensiv auszubilden, führt das logischerweise dazu, dass das Volumen einer Prüfung, die diese Inhalte zugrunde legt, relativ groß ist. Man muss eine ganze Reihe verschiedener Skills zeigen, vom Einzeltraining über das Leistungstraining bis zur Videoanalyse. Und auch das eigene Spiel wird noch einmal überprüft, es gibt eine mündliche und etliche schriftliche Prüfungen. All das ist anspruchsvoll, denn aus der Qualität der Ausbildung ergibt sich logischerweise auch eine anspruchsvolle Prüfung. Aber wir glauben, dass es an dieser Stelle absolut richtig ist, einen hohen Anspruch zu haben, weil wir dem Golfmarkt Menschen zuführen wollen, die sich letztlich darauf verlassen können, dass der Abschluss als PGA Professional und diese drei Buchstaben „PGA“ auch etwas wert sind. Unsere Absolventen müssen sicher sein können, dass sie auch wirklich etwas geleistet haben, wenn sie diese drei Buchstaben benutzen dürfen. Und ganz davon abgesehen es ist ja auch nicht so, dass man in den Prüfungen überhaupt nicht stolpern darf: Wenn mal eine dieser Einzelprüfungen daneben geht, weil man einen schlechten Tag hatte oder auf dieses Fach eben nicht optimal vorbereitet war, dann kann man diesen Teil, und muss man natürlich auch nur diesen Teil, bis zu zweimal wiederholen.

 

„Jeder, der sich ernsthaft auf diese Prüfung vorbereitet, wir diese Prüfung auf jeden Fall bestehen, ja sogar sehr gut bestehen."

 

Angst haben muss also keiner vor diesen Prüfungen, es gibt eine zweite und sogar eine dritte Chance. Gibt es aber Fächer, die erfahrungsgemäß eine besonders große Hürde sind?

Nein. Das hält sich ganz gut die Waage. Und ich kann sagen: Jeder, der sich ernsthaft auf diese Prüfung vorbereitet, wir diese Prüfung auf jeden Fall bestehen, ja sogar sehr gut bestehen.

Oliver Neumann, Sie haben als Lehrgangsleiter hunderte Azubis begleitet und ihnen nach drei Jahren das Abschlusszeugnis zum Fully Qualified PGA Professional überreicht. Welche Art, diese Berufsausbildung anzugehen, führt nach Ihrer Ansicht zum Erfolg?

ON: Es hat sich sehr bewährt, von Anfang an aufmerksam dabei zu sein und dabei zu bleiben und sich kontinuierlich mit den Ausbildungsinhalten zu beschäftigen. Nur dann ist man in der Lage, die Leistungen und das Wissen abzurufen, wenn das gefragt ist. Die Dinge bauen bei uns auch alle aufeinander auf, weshalb es sehr schwierig werden kann, wenn man einen Wissensrückstand hat, weil man die Sache zunächst zu lax angegangen ist. Wenn unsere Referenten dann spannende Dinge erzählen, ich als Azubi aber nicht folgen kann, weil wichtiges Grundwissen fehlt, dann ist das nicht förderlich. Mein Tipp deshalb: Von Anfang an dabeibleiben und die Ausbildung mit hoher Konzentration und Gewissenhaftigkeit machen. Nutzt die Chance, das Wissen der Experten in unseren Reihen aufzusaugen; wir freuen uns über jeden, der neugierige Fragen stellt!

Welche Auszubildende oder welcher Auszubildende ist Ihnen bis heute in besonders guter Erinnerung – und weshalb?

ON: Ich erinnere mich an eigentlich jeden Jahrgang gerne zurück, und ich versuche immer, ein gutes Verhältnis zu jeder und jedem zu haben. Wir als Ausbilder sind am Ende Ansprechpartner für gefühlt fast jede Lebenslage – natürlich mit dem Schwerpunkt PGA Ausbildung. Dadurch lernen wir unsere Azubis aber auch als Menschen kennen, und aus diesem Momenten entstehen tolle Erlebnisse. So spielen wir Ausbilder beispielsweise bei unseren Praxisseminaren immer auch Matches gegen die Auszubildenden: Im Matchplay 9 Löcher gegeneinander! In den letzten Jahren wurden wir auch ab und an mal geschlagen. Diese Duelle sind tolle Erlebnisse, die auch eine besondere Verbindung schaffen.

Spontan würde man annehmen, dass junge Golfer, die als Amateure in der Mannschaft gespielt haben und jetzt die Ausbildung zum Golflehrer angehen, die Ausbilder ganz locker 5&4 vom Platz schicken – so ist es aber offenbar nicht – die Leidenschaft, zu spielen, ist auch bei den Ausbildern noch voll da! Liegt es der PGA of Germany am Herzen, dass auch ihre Teacher regelmäßig spielen und sich dem Wettbewerb stellen?

Martin Hasenbein: Es ist extrem wichtig, dass in der Ausbildung gespielt wird! Bei diesen Matches gegen die Azubis wollen wir auch zeigen, dass wir Ausbilder nicht nur über Golf reden, sondern den Sport auch betreiben, lieben und immer noch ganz gut beherrschen. Wenn man jemandem etwas beibringen möchte, dann schadet es nicht, wenn man das auch mal vormachen kann. Und gleichzeitig ist es auch für die angehenden Golflehrer sehr hilfreich, selbst immer wieder mal in der Rolle des Schülers zu sein und zu erfahren, wie schwierig es sein kann, einen Ball aus dem Bunker mit Rückwärtsdrall zu spielen. Sobald wir die Gelegenheit haben, spielen wir deshalb auch mit den Auszubildenden Golf! Und natürlich werden wir versuchen, diesen jungen Menschen noch viele Jahre lang Paroli zu bieten. Das motiviert uns. Und das spüren auch die Auszubildenden. Und ja: Auch Teacher sollten immer auch spielen!

Würden Sie selbst den Beruf des PGA Golfprofessionals jederzeit wieder ergreifen?

Oliver Neumann: Sofort! Ich würde nichts anders machen, nur vielleicht etwas mehr selbst trainieren. Aber Spaß beiseite: Ich würde tatsächlich alles wieder genauso machen. Ich liebe diesen Sport und diesen Job, und ich könnte mir nichts anderes vorstellen als das.

Martin Hasenbein: Ich habe noch nie darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen als das, was ich als Golfprofessional in all den Jahren machen durfte. Ich bin über 40 Jahre dabei, habe lange Zeit in einem Golfclub gearbeitet und viele Aufgaben und Rollen im Golfmarkt kennengelernt. Und egal, in welche Richtung diese Aufgaben gingen: Die Leidenschaft für diesen Sport und für den Umgang mit Menschen, sei es mit Besserspielenden oder mit Anfängern, das hat mich jeden Tag fasziniert. Ich habe noch nie den Gedanken gehabt: Wann ist es endlich zu Ende? Diesen Tag habe ich noch nicht erlebt, und vielleicht kommt der auch gar nicht. Ich würde es begrüßen.

Vielen Dank für das Gespräch!