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Major-Sieger und eine begehrte goldene Trophäe

News

Die Geschichte der Challenge Tour in Deutschland

07. September 2021

Die Geschichte der Challenge Tour in Deutschland beginnt an einem Mittwoch. Im GC Olching bei München wird am 20. Juni 1990 die erste Runde der Audi Open gespielt. Am Ende gewinnt der Australier Brad King. Sechs Wochen später setzt sich der Engländer Nick Godin im GC Starnberg bei der Audi Quattro Trophy durch, und schon ein Jahr später, am 30. Juni 1991, gewinnt bei diesem Turnier an selber Stelle mit Alex Cejka der erste Deutsche ein Turnier der Challenge Tour.

von PGA Online-Redaktion

Die Challenge Tour war 1986 als Zubringer zur European Tour gegründet worden, damals noch unter dem Namen Satellite Tour – seit 1990 heißt sie Challenge Tour. Und deren Geschichte ist fest mit Deutschland verwoben. Waren es in den 90er-Jahren die Audi Open (1990 bis 1993) und die Audi Quattro Trophy (1989 bis 1998) und damit Unternehmen, die Schwarz-Rot-Gold auf den Tourkalender brachten, ebenso wie die American Express Trophy, die 1993 Sven Strüver und 1994 Torsten Giedeon jeweils im Frankfurter Golf Club gewinnen konnten, so verschafften in den letzten 20 Jahren oftmals golfbegeisterte Personen und Persönlichkeiten der Challenge Tour eine Bühne in Deutschland.

Im Juli 2000 versammelt auf diese Weise die Günther Hamburg Classics und deren Mäzen, der Verleger Klaus Günther, ein hochkarätiges Teilnehmerfeld im GC Hamburg-Wendlohe; es geht um das Rekord-Preisgeld der Tour von 468.400 D-Mark. Der Ire David Higgins gewinnt im Stechen gegen den Spanier Carlos Rodiles und kassiert eine Siegerbörse von 76.200 D-Mark. Im Feld sind Größen wie die späteren Major-Sieger Trevor Immelmann und Justin Rose; Immelmann verpasst den Cut, Rose teilt Rang 45. Wesentlich besser schlägt sich in der Turnierwoche ein junger Deutscher namens Tobias Dier. Mit Runden von 68, 73, 67 und 68 Schlägen teilt der 23-Jährige Rang 8 und kassiert 12.880 D-Mark. Was entscheidend sein sollte für den Verlauf seiner weiteren Karriere. Per Einladung in Hamburg im Feld, kommt er durch die Top-10-Platzierung auch in der folgenden Woche in die Konkurrenz der Beazer Homes Challenge Tour Championship in England. Dort teilt er Rang 10, weshalb er zwei Wochen später beim Finnish Masters dabei ist, wo er Dritter wird. Und so geht es weiter. Am Ende der Saison spielt er sich auf Rang 15 des Challenge-Tour Rankings und sichert sich damit das letzte verfügbare Aufstiegs-Ticket zur European Tour. Ohne jemals in seinem Leben im Besitz einer Challenge-Tour-Karte gewesen zu sein.

Der Rest ist deutsche Golfgeschichte: Dier gewinnt am 19. August 2001 die North West of Ireland Open mit 17 unter Par und feiert seinen ersten Sieg auf der European Tour; Zweiter wird damals übrigens der Waliser Stephen Dodd, 20 Jahre später Sieger der The Senior Open 2021. Der größte Triumph seiner Karriere gelingt Dier ein knappes Jahr später bei der TNT Dutch Open in Hilversum in den Niederlanden: Im ersten Durchgang legt er mit einer 60er-Runde, zehn unter Par, den Grundstein für den größten Triumph seiner Laufbahn, siegt nach 72 Löchern erneut mit 17 unter Par und lässt diesmal Spieler wie Jamie Spence auf Rang 2 oder Padraig Harrington und Peter Lonard hinter sich, die Platz 3 teilen. Dier kassiert umgerechnet 300.000 Euro Preisgeld, die höchste Börse seiner Tourspieler-Karriere. Es folgen durchwachsene Jahre auf der European Tour und der Challenge Tour, wo er 2007 bei der OKI Mahou Challenge de Espana noch einmal Zweiter wird – wieder mit 17 unter Par. 2008 verpasst er alle Cuts und beendet am Ende des Jahres seine Tourspieler-Karriere.

59 Schläge für die Geschichtsbücher

2001 trägt sich mit Wolfgang Huget ein weiterer Deutscher in die Siegerliste eines deutschen Challenge-Tour-Turniers ein; der Mönchengladbacher gewinnt den Galeria Kaufhof Pokal im GC Rittergut Birkhof mit 22 unter Par – vor Tino Schuster (-19), Alex Cejka teilt mit 18 unter Par Rang 3. Cejka holt sich den Galeria-Titel im Jahr darauf mit 17 unter Par vor Marcel Siem (-13). In den folgenden Jahren findet jeweils zumindest ein Turnier der Challenge Tour in Deutschland statt, allerdings ohne deutschen Sieger, bis im August 2006 ein junger Professional aus Mettmann für Schlagzeilen sorgt: Auf der EPD Tour, der heutigen Pro Golf Tour, hat der damals 21-jährige Martin Kaymer in diesem Jahr bereits fünf Siege gefeiert, dabei bei der Habsberg Classic eine 59er-Runde gespielt – neuer deutscher Rekord. Bei der mit 120.000 Euro dotierten Vodafone Challenge im GC Elfrather Mühle tritt Kaymer im August 2006 per Wildcard erstmals bei einem Turnier der Challenge Tour an. Hoch gehandelt wird eigentlich der amtierende Amateur-Europameister Stephan Gross, doch der verpasst nach einer 80er-Auftakt-Runde mit Pauken und Trompeten den Cut. In der Pressekonferenz im Vorfeld wird Martin Kaymer der Fachjournaille als Lokalmatador präsentiert, und die will wissen, ob er sich denn auch den Sieg zutraue. Kaymer überlegt kurz, rechnet nach und kommt zum Schluss, dass nach seiner Einschätzung 18 unter Par reichen wird, um zu gewinnen. Und dass er sich das nach seiner 67 in der Proberunde durchaus vorstellen kann. Kaymer gewinnt mit 18 unter Par und triumphiert einen Monat später auch bei der Open de Volcans in Frankreich. Als Nummer 4 der Jahres-Endrangliste steigt er auf zur European Tour 2007 und hält sich damit keine drei Monate auf der Challenge Tour auf.

Dort stehen 2007 mit der Vodafone Challenge, der Postbank Challenge presented by Marcel Siem und der doc Salbe PGA European Challenge im GC Bad Waldsee gleich drei Turniere in Deutschland auf dem Programm. Letzteres bringt Profigolf erstmals in die Bodensee-Region und sprengt mit täglich über 3000 Zuschauern alle Besucher-Rekorde. Und beschert mutmaßlich einem italienischen Zöllner eine besonders schöne Kamin-Trophäe: Als Sieger Peter Whiteford mit dem goldenen doc Salbe-Pokal nach Italien fährt, wo in der Toskana das nächste Turnier stattfindet, wird die mit echtem Gold überzogene Trophäe an der Grenze konfisziert – bis heute auf Nimmerwiedersehen.

Golf auf hohem Niveau

In den kommenden Jahren finden immer wieder einzelne Challenge-Tour-Turniere in Deutschland statt, und deutsche Spieler wie Moritz Lampert, Alexander Knappe, Bernd Ritthammer, Maximilian Kieffer, Hurly Long, Sebastian Heisele, Marcel Schneider, Christoph Günther oder Nicolas Meitinger können die Sieger-Historie der deutschen Professionals auf der Challenge Tour ergänzen, die einst mit Heinz-Peter Thül, Alex Cejka, Thomas Gögele, Sven Strüver und Erol Simsek begann. Von 2013 bis 2015 gastiert die Tour noch dreimal im Quellness Golf Resort in Bad Griesbach, ehe sie nun im September 2021 bei der Big Green Egg German Challenge powered by VcG im Wittelsbacher GC eine triumphale Rückkehr feiert.

Ganz gleich, wer am 12. September in Neuburg gewinnt, und völlig unabhängig davon, ob der Siegerscore bei 17 unter Par liegen wird oder darüber oder darunter: Die Zuschauer, die hoffentlich den Besucherrekord aus dem Jahr 2007 in Bad Waldsee brechen werden, dürfen sich auf Golfsport auf hohem Niveau freuen. Was heute auf der Challenge Tour gezeigt wird, ist vergleichbar mit dem Spiel auf der European Tour vor 15 Jahren. Der Cut der Challenge Tour hat sich in dieser Zeit um drei bis vier Schläge nach unten bewegt, und die Besucher bekommen in der zweiten Liga des Golfsports in Europa heute herausragende Leistungen zu sehen. Und vielleicht ja sogar den einen oder anderen künftigen Major-Sieger.

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