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Der leise Abschied eines großen Trainers

News

Zum Tod von Willi Hofmann

20. Januar 2022

Der beige, breitkrempige Schlapphut war sein Markenzeichen, damit war er auf jeder Driving Range schon von weitem zu erkennen: Wilhelm „Willi“ Hofmann, PGA Golfprofessional, deutsche Trainer-Legende und mehr als 45 Jahre lang der Coach des zweifachen Masters-Champions Bernhard Langer.

von Matthias Lettenbichler

Dietenheim – Wenn neben dem Erfolg jemand fest mit dem Namen von Bernhard Langer verbunden ist, dann sein Trainer Wilhelm Hofmann. Geboren am 4. Februar 1941 in Mannheim, trat er der PGA of Germany am 1. Juni 1959 bei und ergriff den Beruf des Golflehrers; seine Golflehrerprüfung absolvierte er am 24. März 1964. Der GC Hohenstaufen, der Stuttgarter GC Solitude, der GC Ulm und zuletzt der New Golf Club Neu-Ulm sind nur einige seiner beruflichen Stationen als Trainer.

Mit Beginn von dessen Profikarriere im Jahr 1976 coachte Willi Hofmann Bernhard Langer; Heinz Fehring, der Langer im Münchener Golf Club zum Golflehrer ausgebildet hatte, brachte beide damals zusammen; fortan reisten sie von Turnier zu Turnier. „Von Montag bis Mittwoch haben beide bei den Turnieren regelmäßig zusammen trainiert, danach hat Bernhard sein Ding gemacht und gespielt“, erzählt dessen Bruder Erwin. „Das Coaching fand immer direkt am Platz vor den Turnieren statt. In den letzten Jahren haben sie sich sehr viel am Telefon ausgetauscht. Beide kannten sich so gut, dass das Coaching auch auf diese Weise bestens funktioniert hat.“

Gemeinsam mit dem Weltklassespieler aus Anhausen feierte Hofmann unter anderem zwei Siege beim Masters in Augusta, 1985 und 1993. Es folgten weit über 100 weitere Turniersiege, darunter allein elf Major-Erfolge auf der US Senior-Tour. Eine unglaubliche, über alle Sportarten hinweg sicherlich einzigartige Trainer-Spieler-Geschichte, und auch die Geschichte einer Beziehung, die weit über das Golf hinaus ging.

„Wir waren enge Freunde. Zuletzt habe ich ihn im November gesehen. Er machte einen guten Eindruck. Willi hatte vor eineinhalb Jahren einen Schlaganfall, von dem er sich aber recht gut erholt hatte. Nun hatte er vor wenigen Tagen offenbar einen erneuten Schlaganfall. Ich bin in Gedanken bei seiner Familie. Ich werde ihn sehr vermissen. Er war nicht nur mein Trainer, er war ein lieber Freund.“ So äußerste sich Bernhard Langer, spürbar bewegt, auf dem Instagram-Kanal der PGA Tour Champions, nachdem er vom Tod seines Coaches und Weggefährten erfahren hatte.

Bekannt war Willi Hofmann als Trainer und Mentor von Bernhard Langer, tatsächlich arbeitete er aber mit vielen weiteren Playing Professionals zusammen, und immer unterrichtete er auch Amateure und den Golf-Nachwuchs, zuletzt im New Golf Club Neu-Ulm. Zu Beginn seiner Karriere als Golflehrer betrieb er auch einen Schläger-Reparatur-Service, und auch viele Kollegen schickten Schläger in sein Zuhause in Dietenheim, ein 7000-Einwohner-Städtchen südlich von Ulm.

Konzentriertes Training in der Wahlheimat Florida

Zu Hofmanns Schülern gehörte während seiner Zeit als Playing Professional auch Kariem Baraka, der seine Tourspieler-Karriere im Jahr 2000 begann, und damals ebenfalls von Willi Hofmann gecoacht wurde – Bernhard Langer hatte den Kontakt zwischen seinem Neffen Kariem und seinem Trainer hergestellt. „Willi hat ziemlich scharf zwischen der Wettkampfsaison im Sommer und dem Training in den Wintermonaten unterschieden“, erinnert sich Kariem Baraka. „In den Wintermonaten war sein Training sehr tough, da hat er viel gefordert und uns damals richtig hart rangenommen. Da wollte er Leistung und Einsatz sehen und hat mit uns viel an der Technik gefeilt“, so der ehemalige Tourspieler und heutige Präsident der PGA of Germany. „Während der Saison hat er es dann eher laufen lassen und darauf geachtet, dass wir auch Spaß auf dem Platz und beim Turnier hatten.“

Hofmann coachte Kariem Baraka von 2000 bis 2006, immer wieder auch in seiner Wahlheimat Florida, wo der junge Baraka gemeinsam mit seinen Playing-Pro-Kollegen Tino Schuster und Christian Moculescu im Bluewater Bay Resort in Niceville in Florida das Wintertrainings-Quartier bezog – Hofmann besaß dort ein Haus direkt am Golfplatz, wo er das Winter-Halbjahr verbrachte und Unterricht gab. Baraka: „Manchmal glaubten wir uns am Nachmittag bei der Trainingsrunde unbeobachtet und haben auch mal ein bisschen herumgealbert, doch Willi hat uns von seinem Wohnzimmer aus beobachtet, und am nächsten Tag wurde das Training dann entsprechend noch eine Spur intensiver.“

Wegbegleiter und Mentor

Persönlich erlebte Baraka Willi Hofmann als „herzlichen, offenen, sehr zugänglichen und auch sehr witzigen“ Menschen, zu dem auch er ein freundschaftliches Verhältnis pflegte. Eine Charaktereigenschaft, die auch der österreichische Tourspieler Matthias Schwab an Hofmann schätzte, der ebenfalls viele Jahre lang mit dem Coach zusammenarbeitete: „Sie waren mein engster Wegbegleiter, mein Mentor und eine Vertrauensperson. Als 12-Jähriger Jugendgolfer kam ich zu Ihnen und Sie machten mich zu dem Golfer, der ich heute bin“, so der European-Tour-Spieler auf seinem Instagram-Kanal, wo er auch einige Fotos als Erinnerung teilt.

Neben der Tätigkeit als Coach war Wilhelm Hofmann auch als Ausbilder aktiv und hat jungen Golflehrer-Azubis sein Wissen weitergegeben, unter anderem auch seinem Sohn Klaus; seine Tochter Annette arbeitete viele Jahre für die European Tour. 2005 erhielt Wilhelm Hofmann den „Goldenen Golfball“ der PGA of Germany für sein Lebenswerk, im selben Jahr, als sein Schützling Bernhard Langer zum zweiten Mal „Player of the Year“ geworden war.

Am 18. Januar 2022 ist Wilhelm Hofmann im Alter von 80 Jahren an den Folgen eines zweiten Schlaganfalls gestorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Inge sowie die Kinder Annette und Klaus.